Samstag, 21. Juli 2007

Perspektivenwechsel: Einkaufen auf dem Bio-Markt

Heute auf dem Markt habe ich sehr gelacht, wie peruanisiert ich doch schon bin - zu mindestens beim Einkaufen. Das peruanische einkaufen auf dem Markt weicht nämlich deutlich vom deutschen System an.

In den ersten Wochen habe ich immer gewartet bis man mich bedient hat, mich ab und zu innerlich gefragt warum sich eigentlich immer alle vordrängeln. Aber die ersten Wochen hatte ich natürlich endlos Zeit. Ich kannte ja noch niemanden und das Einkaufen war so ein mit genommes Ritual aus Bonn, dass mir in ein bisschen das Gefühl von Heimat gab.

Als die Zeit knapper wurde habe ich dann irgendwann das System entlarvt. Hier muss man sich sein Recht erkämpfen. Sobald man es geschafft hat in der ersten Reihe zu stehen, nimmt man sich eine Kartoffel, füllt seine Tüte mit den Kartoffeln, die schon mindestens 10 andere Kunden durchwühlt haben und wirft die Tüte auf die Waage mit der direkten und forschen Frage ¿A cuanto están las papas? Und so macht man das dann weiter. Man muss nur aufpassen, dass nicht gleich die Waage wieder besetzt ist, denn hier wird gleichzeitig bedient. Aber jahrelanges Ligretto-Training (Ligretto ist eine Version von MauMau, nur alle spielen gleichzeitig) haben mir einen eindeutigen Vorteil verschafft und ich bin inzwischen auch einem einheimischen Peruaner auf dem Markt gewachsen.

Der stärkere, der lautere gewinnt ist hier leider ein beliebtes System. Ob im Straßenverkehr oder in Diskussionen wer lauter schreit, lauter hupt und sich sein Recht nimmt gewinnt. Manchmal stresst es mich ganz schön, denn eigentlich finde ich unser idyllisches Markt einkaufen deutlich angenehmer, genauso wie die eindeutige Strassenverkehrsregele: rechts vor links und Diskussion in denen man aufzeigen muss um sein Recht auf einen Beitrag zu signalisieren.

Bin ich peruanisiert?
Wie gut ich mich aber an das System am dem Markt adaptiert habe wurde mir dann bei meinen letzten Einkauf dieses Tages bewusst. Ich schielte noch zum bunten Mangold rüber. An dem Stand war auch kaum Betrieb. Also habe ich mir schnell einen Mangold geschnappt, die Bäuerin nach dem Preis gefragt und wir haben Soles gegen die Ware getauscht. Ganz schnell und unkompliziert. Nur, rechts von mir hörte ich plötzlich eine Stimme mit englischen Akzent. „Disculpa, Señorita, falta la educación“. Was wohl mit galt: „Entschuldigung Fräulein, es fehlt an Erziehung“.

Ich fühle mich sofort Seite ertappt und entlarvt, falle direkt in meine Kultur zurück und denke mir: "Hups, da hat sie hat Recht". Auf der anderen Seite denke ich mir: "Liebe Ausländerin das wirst du auch noch lernen, wenn du nicht Stunden warten möchtest".

Und dann wird mir auf einmal bewusst, wie es den Peruaner manchmal gehen muss, wenn ich mit meinem Kulturbild hier ankomme, mit meinen Spielregeln, wie komisch muss ich ihnen gar zu oft erscheinen. Und ist mein Verhalten höflicher und besser, wenn ich warte? Geht es nicht darum das alle die gleichen Spieleregel haben. Auch im Autoverkehr ist für den Peruaner einfach klar, dass das Autos vorfahrt haben, egal um es einen Zebrastreifen gibt oder nicht. Ich empfinde das als Respektlosigkeit. Das gleiche passiert mir in Diskussionen. Wer lauter schreit gewinnt und hat das Wort. Aber was ist denn schon richtig und falsch.

Mein kleiner Perspektivenwechsel hat mir gezeigt, wie schwer es ist eine andere Kultur nicht mit seiner Kultur zu bewerten, diese als Maßstab für alles zu nehmen, sondern es einfach stehen zu lassen. Auf dem Bio-Markt ist es mir offensichtlich geglückt, aber in vielen anderen Dingen steht mir meine Kultur doch häufig im Wege und die Spielregeln scheinen zu unterschiedlich, als könnte man wirklich das gleiche Spiel spielen. Zu einer wirklichen peruanisierung fehlen wohl noch viele Jahre......

Freitag, 22. Juni 2007

Lima Grau

Es ist nun doch Winter geworden und wie man es mir vorhergesagt hat: Es ist schrecklich!!!! Das Bild zeigt echtes Lima-grau , heute morgen 7.30 Nähe Lima Zentrum. Damit ihr auch glaubt das es der Himmel ist, habe ich ein paar Vögel mit aufgenommen. Ich habe jetzt die ersten zwei Wochen unendliches grau hinter mir und es drückt echt auf die Stimmung. Ich finde auch es ist ein sehr eigenes grau, eben ein Lima-grau. Man könnte es sicherlich auf einer offiziellen Farbskaler patentieren lassen.

Einem echten Limeño macht das hingegen nichts aus. Sie finden dieses grau, das sich wie eine beschützende Kappe über die Stadt legt gerade zu perfekt. Viel besser als diese stechende Sonne. Ich hingegen LEIDE!!!! Mein Schokoladenkonsum ist stark angestiegen und bin gerade zu freizügig ganze 2,20 € für eine simple Tafel Schokolade Ritter-Sport Crispy auszugeben.

Aber es ist Freitag. Ich habe das ganze Wochenende und eigentlich brauche ich nur zwei Stunden um aus Lima herauszufahren. Und dann sieht es so aus wie auf dem zweiten Bild (Matucana). Leider nutzt man diese Gelegenheit viel zu selten. Aber es ist gut zu wissen das die Sonne gar nicht so weit entfernt ist.

Donnerstag, 21. Juni 2007

Glückliche Chemie

Weltweit sind etwa 1.400 Wirkstoffe als Pflanzenschutzmittel im Einsatz. Die Folgen für Umwelt, Gewässer und die Gesundheit der Menschen werden gerne verharmlost.

Im Bananananbau in Costa Rica zum Beispiel liegt der Pestizverbrauch mit 40kg/ha zehnmal höher als in Deutschland - darunter mehrere Pestizide des sogenannten "Dreckigen Dutzends"(Quelle Banafair).

Die Art und Weise wie Spritzmittel ausgebracht werden ist noch ein ganz anders Thema. Bauern die Schutzkleidung, Handschuhe oder Mundschutz benutzen habe ich bei meinen Überlandfahrten noch nie gesehen. In der Regel tragen sie Sandalen, kurze Hose und ein T-Shirt. Bei Gesprächen mit den Bauern kommen lachende antworten wie : "No pasa nada, somos acostrumbados al veneno" (Da passiert schon nichts, wir sind an das Gift gewöhnt).

Die Chemieindustrie tut auch hier ihr bestes um die Risiken zu verniedlicht und klein zu machen, auch wenn die gesundheitlichen Folgen inzwischen in vielen Studien nachgewiesen worden sind. Dazu gehören insbesondere bei den Anwendern in Entwicklungsländern: Hautausschläge, Unfruchtbarkeit und Krebs. Vieles ist aber auch noch ungewiss zum Beispiel die Wechselwirkungen zwischen Stoffen. Und wie hoch ist das Risiko für die Verbraucher, die rückstandsbelastetes Obst und Gemüse essen? Was ist mit dem Einsatz unerlaubter Mittel - nur ein Problem in Lateinamerika? Selbst die Pflanzenschutzkontrolle der Bundesländer in Deutschland stellte bei Betriebsinspektionen 2004 fest, dass in rund 4% der kontrollierten Betriebe UNZULÄSSIGE Pestizide eingesetzt wurden.

Für DDT, welches heute unbestritten eines der gefährlichsten Spritzmittel war, wurde in den 70-er Jahren so geworben:

Aber auch heute wird immer noch mit netten Bilder auf den Mauern der Geschäfte für den Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft geworben:


Dieses Schild mit dem glücklichen Bauern und seiner Spritze verspricht "Bessere Produkte für deine Ernte".

Ein wirklich schönes Bild mit Kuh, Lama und Schaf - ganz idylllisch.


Wenn ich das alles so sehe bin ich froh, dass ich im ökologischen Landbau arbeite, der auch ohne Chemiekeule auskommt und dazu beitragen soll die Lebensbedingungen der Bauern zu verbessern. Einer meiner Kollegen hat es bei einer Versammlung mit den Bauern gut formuliert: "Ökolandbau ist für intelligente Menschen wie Euch, denn Ökolandbau arbeitet nicht mit fertigen Paketlösungen". Genau, die Problem-Standard-Paketlösung gibt es nicht - zugegebener Maßen manchmal ist das lästig, aber wenn ich mir die Folgen anschaue, wenn ich die Bauern hier sehe die ohne Schutzkleidung spritzen und nicht nur die Umwelt verschmutzen sondern zu allererst sich selbst eine Schaden zu fügen bin ich davon überzeugt, dass es sich lohnt einen anderen Weg zu suchen. Denn die Kleinbauern und Plantagenarbeiter sind nicht diejenigen die bei 40kh/ha Pestiziden reich werden.

Und noch ein TIPP: Die Werbung auf Mauer ist hier sehr verbreitet. Wer mehr von sprechenden Mauern lesen möchte sei auf Susannes Blog verwiesen.

Samstag, 16. Juni 2007

Vom Glück einen deutschen Pass zu haben

Eigentlich habe ich meinem deutschen Pass noch nie viel Bedeutung geschenkt, ein Stück Papier das man zum reisen braucht. Egal ob ich nach Lateinamerika, USA oder Afrika will ich kann mir ein Ticket kaufen und habe einen sicheren Eintritt in die meisten Länder dieser Welt. Die Zeiten der langfristigen Visumsanträge sind für mich schon lange vorbei. Nicht so für die Peruaner. Hier müssen reisen sorgsam geplant und eine Einladungen des Besuchslandes, Hotelbuchungen etc. sind von nöten. Ein lästiges "Tramite" wie man hier sgat.

Mein Büro ist um die Ecke der israelischen Botschaft, sowie dem Wohnhaus des amerikanischen Botschafters. Dementsprechend gibt es auch eine ganze Menge Polizisten in der Gegend. Vor der Botschaft ist ein kleiner Park (also die Peruaner sagen Park dazu, aber hier heisst alles Park ab drei Bäumen und ein bisschen Rasen) in dem ich mich mittags schon mal ganz gerne mit meinen Empanadas oder sonstigen Köstlichkeiten hinsetzte, um wenigstens eine halbe Stunde etwas Sonne zu tanken.

Inzwischen ist es mir schon mehrfach passiert, dass einer der Polizisten meinen Pass kontrollieren will. Ich setzte sofort ein entnervtes Gesicht auf, frage welches Recht er dazu hat, denn ich würde hier nur essen. Das hilft alles nichts. Widerwillig, aber mit dem Wissen, dass mir der Typ nichts anhaben kann, denn ich bin hier legal, zücke ich meinen Carnet de extranjería (den ich ja unter viel Schweiß und Ärger erstanden habe). Den guckt er sich an fragt, obwohl es fett auf dem Kärtchen steht woher ich komme und will jetzt auch noch meinen deutschen Pass sehen. Ich denke mir er kann froh sein, dass ich überhaupt einen Pass mit habe und ich schnaube zurück, dass das der Ausweis SEINES Landes sei , ich würde hier arbeiten und hätte keine Lust belästigt zu werden. Das rührt natürlich seinen Stolz woraufhin er erstmal wichtig sein Funkhandy zückt und angeblich meine Daten überprüft. Das Spielchen haben wir jetzt schon drei oder viermal gespielt (allerdings immer mit einem anderen Polizisten). Aber mir wird bewusst wie sicher ich mich mit einem Stück Papier fühle und dem Wissen das es eine deutsche Botschaft in Lima gibt in der man mich sogar persönlich kennt.

Aber ich frage mich: Was macht man bloß in Deutschland wenn man keinen Pass hat? Wenn man wie viele Latinos illegal arbeitet, seine Kinder zur Schule schickt und vordergründig ein ganz normales Leben führt, aber wenn jemand ihre Identität prüfen will hat man plötzlich keine Rechte mehr. Ich hingegen habe ein offizielles Visum, eine deutsche Botschaft im Hintergrund, ein "Recht" hier zu arbeiten und nur mit einem Stück Papier das Recht in die meisten Länder der Welt ohne Visum zu reisen. Gerecht ist das mal wieder nicht, nur Glück dessen ich mir hier mal wider bewusst werde!

Samstag, 9. Juni 2007

HERZLICH WILLKOMMEN

Ihr seid herzlich eingeladen auf diesem blog ein paar Geschichten aus meinem peruanischen Alltag, dem Land und seinen Leuten sowie meinen interkulturellen Kommunikationsirritationen zu verfolgen. Schreibt fleißig Kommentare, dann gibt’s bestimmt noch viele, viele Geschichten ....

Freitag, 8. Juni 2007

Mein Besuch im Congreso und wer ist eigentlich Miguel Grau?

7.30 mein Wecker klingelt, um 9.00 Uhr soll ich im Congreso de la República de Perú zu seinem Seminar sein. Ich drehe mich noch mal um und wende gleichzeitig die wichtige Frage: pünktlich oder nicht pünktlich? Das ist hier eine wichtige Frage, wenn mein seine Zeit nicht mit w a r t e n verbringen möchte.

Die Tatsache, dass es sich um den „öffentlichen Dienst“ handelt spricht leider dafür, dass die Veranstaltung mind. eine Stunde später anfängt. Auf der anderen Seite gilt seit dem 1 März "Null Toleranz für Unpünktlichkeit", denn Pünktlichkeit bedeutet - so der Präsident Alan García: "Respekt am Nächsten! Pünktlich ist ein Dienst am Vaterland!". Dies wiederum spricht dafür, dass man im Congreso pünktlich anfängt.

Also gut ich stehe auf, braue mir einen Kaffee zusammen und versuche mir das grau dieses Tages weg zu denken. Es hat heute Nacht sogar geregnet, die Strasse ist nass - Das ist was besonders. Eigentlich regnet es nie, denn ich lebe in einer Wüste.

Der Verkehr der Stadt ist mal wieder unsäglich, der Taxifahrer dafür sehr amüsant, so dass wir über den allgemeinen Teil des "Taxi Talkes" hinauskommen und noch die politischen Schwierigkeiten Perus und die kulturellen Unterschiede zwischen Peru und Deutschland abhandeln können.

9.10 - Ich erreiche den Congreso. O je, jetzt ist da auch noch eine Menschenschlange, natürlich muss man sich vorher mit seinem Ausweis registrieren lassen. Irgendwie schaffe ich es mich an der Schlange vorbei zu mogeln. Jetzt noch durch die Taschenkontrolle. "Oh sie haben einen Computer, da müssen wir die Seriennummer registrieren", lächelt mich der Beamte seelenruhig an. Ich setze sofort mein genervtes Gringa-Gesicht auf und mache dem Herrn verständlich "Bitte schnell“. Funktioniert wie immer, mit grimmigen sich beschwerenden Menschen könne sie nicht umgehen und versuchen sie schnell los zu werden.

9.15 - Ich komme im Saal Miguel Grau des Congresos an, meine Kollegen sind schon da. Sie dachten schon ich würde nicht mehr kommen – 15 Minuten für eine deutsche ist natürlich eine enorme Verspätung. Die Frotzelei können wir dann noch eine dreiviertel Stunde fortsetzen. Das Seminar fängt tatsächlich mit einer Stunde!!! Verspätung an. Die Kollegen verraten mir dann auch ihren Trick, um an der Eingangs-Schlange vorbei zu kommen. Sie haben einfach behauptet sie wären die Vorträger des Seminars. So hat hier jeder seine Strategie und wer keine hat muss halt warten.

Das Seminar fängt an, der Abgeordnete heißt alle willkommen, sendet an 100-tausende von Leuten Felicitaciones (Glückwünsche) zur Organisation der Veranstaltung etc. Während dessen fallen mir erst die Bilder es Admiral Miguel Grau auf. War das nicht der famose Admiral, der in der sagenumwogenden Schlacht von Angamos gegen Chile ermordet wurde? Das muss ich gleich mal in Wikipedia genauer nachschlagen.

Miguel Grau
Miguel Grau Seminario (1834-1879), peruanische Admiral und peruanischer Nationalheld.

Wir befinden uns im Jahre 1879, wo der bis 1884 andauernden Salperterkrieg oder Guerra de Pacífica beginnt. Nach dem Ende der spanischen Kolonialherrschaft in Südamerika zwischen 1810 und 1830 war die Zugehörigkeit der Atacamaregion an der Pazifikküste zwischen den neu gebildeten Staaten Chile 1817, Perú 1827 und Bolivien 1825 umstritten.

Das Interesse an der Region wurde groß, als in den 1860-er Jahren umfangreiche Vorkommen an Nitrat (Salpeter) in der Region gefunden wurden, das wertvoller Rohstoff für die Herstellung von Dünger und Sprengstoff war. Dies führte zu einem Krieg zwischen Chile, Bolivien und Peru.

Und was hatte nun Miguel Grau mit diesem Krieg zu schaffen?
1879 war das Kriegsschiff von Admiral Grau, die Huáscar das letzte größere Kriegsschiff der peruanischen Marine und damit das letzte Hindernis für den Chilenen bei der Erlangung der Seeherrschaft vor der Pazifküste.


Admiral Grau gelang es für längere Zeit die Versorgungslinien mit seiner Huáscar der Chilenen erheblich zu stören, indem sie chilenische Schiffe und Häfen angriff. Es war die letzte Flotte die die Peruaner besaßen. Hierdurch wurde eine Invasion chilenischer Truppen auf peruanisches Territorium verhindert bis zur Seeschlacht von Angamos am 08.
Oktober 1878. Der peruanische Admiral Grau wurde bei dieser Schlacht durch einen Granattreffer getötet. Nach dem Verlust der Huáscar hatten die Peruaner der chilenischen Flotte nichts mehr entgegenzusetzen. Die Chilenen konnten die Invasion plangemäß durchführen. Trotz der Niederlage wurde Miguel Grau zum Nationalhelden erklärt.

Wie ging der Krieg zu Ende?
1883 unterzeichneten Chile und Peru den Vertrag von Ancón. Darin erhielt Chile die peruanische Provinz Tarapacá und dehnte sein Territorium bis nach Tacna aus, welches jedoch knapp 50 Jahre später an Peru zurückgegeben wurde.

1884 kam zwischen Chile und Bolivien der Vertrag von Valparaíso zustande. Darin erhielt Chile die Küstenregion was Bolivien den Zugang zum Pazifik kostete (siehe Karte). Erst 1904 wurde der bis heute gültige Friedens- und Grenzvertrag mit Bolivien unterzeichnet, in dem Bolivien die Zugehörigkeit der Atacamaregion zu Chile bestätigte. Im Gegenzug gewährte Chile Bolivien den zollfreien Zugang zu den Häfen von Arica und Antofagasta und das Versprechen, eine Bahn für Bolivien zu bauen, die die Hauptstadt La Paz mit der Küstenstadt Arica zu verbinden.

Die Geschichte des Krieges muss man kennen um die Befindlichkeiten zwischen Peru, Chile und Bolivien zu verstehen. Die Peruaner haben bis heute eine rege Feindseligkeit mit den Peruanern. Auch das Verhältnis Peru und Bolivien ist dadurch geprägt, da Bolivien den Peruaner vorwirft ihren Bündnispakt gegen Chile nicht ausreichend wahrgenommen zu haben.

Soviel zu Miguel Grau. Die Veranstaltung endet auch eine Stunde zu spät, dass sie nicht noch später endet ist wahrscheinlich dem Umstand zu verdanken, dass der Saal Miguel Grau von einer weiteren Gruppe gemietet wurde.

Ich tapere ins Büro bei fiesem Nieselregel und bin trotz der Verspätung froh den Congreso einmal von innen gesehen zu haben. Nur die Frage wann ich pünktlich sein muss und wann nicht werde ich wohl noch öfter hin und her wenden müssen.

Dienstag, 1. Mai 2007

Wie hänge ich ein 21-teiliges Bild auf einer peruanischen Wand auf?

Seit 4 Wochen liegt das 21-teilige Kunstwerk auf meinem Fußboden. Es handelt sich um ein Kunstwerk einer deutschen Freundin, die die farbenfrohen Bus aus Lima bei ihrer morgendlichen Autofahrt zur Arbeit fotografiert, Teilausschnitte vergrößert und dann zu einem Bild kombiniert, hat. Und da diese Busse in dieser Stadt das Bild prägen war ich sofort von diesem Bild begeistert.

So richtige Lust es aufzuhängen habe ich nicht, aber dieses Wochenende muss ich da mal ran. Eine Freundin schlägt mir vor es von einem peruanischem Handwerker aufhängen zu lassen, aber wenn der auch drei Anläufe braucht um einen Termin wahr zu nehmen, wie die meisten Handwerken, ich ihm dann genau erklären muss wie ich das haben möchte und und und… Nee dann lieber selber: Also ran an die Wand!!

Ich denke ich bin ganz schlau und um in die Wand keine 42 Löcher (!!!!) zu schlagen, versuche ich es zunächst mit den aus Deutschland mitgebrachten Power-Strips. Meine erste Erfahrung Nägeln in die Wand zu schlagen war nicht die beste. Es bröselte verdächte. Irgendwie sind peruanische Wände einfach anders. Das erste Bild hält prima mit Power-Strips. Prima Idee denke ich. Tja, aber als ich das Bild abnehme kommt mir dann doch breitflächig die Farbe der Wand mit entgegen. Nun gut, wenigstens weiß ich jetzt warum es die hier keine Power-Strips zu kaufen gibt. Auf peruanischen Wänden funktioniert das nicht. Also doch ab in den Schreibwarenladen, Papier kaufen und das Ungeheuer erstmal aufmalen mit allen Abständen. Es kostet mich 3 Stunden, aber dann hängt es und es hängt als wäre es nur für meine Wand gemacht. Ich hoffe Moltofil-Gips hält in peruanischen Wandlöchern genauso gut wie in Deutschland, aber das hat ja noch Zeit!!! Jetzt erfreu ich mich erstmal an meinen Bild!

Seminarorganisation auf Peruanisch

Es ist Freitag 9 Tage vor unserem Workshop, angepeilt sind 25 Teilnehmer. Ich verzeichne 2 feste Anmeldungen. Nicht besonders viel. Unruhe macht sich bei mir breit. Meine Kollegen kommen mir nur mit ihrem üblichen Spruch: "No te preocupes" (Mach dir keine Sorgen!). Aber das sagen sie ja immer, egal wie schlimm es steht.

Wieder Freitag, 3 Tage vor dem Workshop. Stand: 35 Anmeldungen und weitere zahlreiche Interessenbekundungen. Alles passiert in den letzten Stunden des Tages. Spinnen die den alle? -

Mittag muss ich noch kurz Bustickets für den Urlaub kaufen. Für in 2 Wochen behaupten Sie können Sie noch kein Ticket erstellen. Ich fauche die junge Dame die gerade nebenbei Wimperntusche aufträgt an: Wie man in diesem Land denn bloß planen soll, das könne wohl nicht wahr sein“.Dazu muss man wissen dass ich sechs Wochen vorher schon mal da gewesen bin und es schlicht weg technisch nicht möglich war Tickets im Computer sechs Wochen vorher aus zustellen. Na ja in diesem Fall tut sich plötzlich dann doch ein Bus auf, natürlich der teuerste, aber was soll`s ich habe keine Lust mich während des Urlaubs wieder persönlich zum Busunternehmen zu begeben und eine Karte zu kaufen und schlage zu.

Zurück zum Seminar. Freitagnachmittag wird mit der Partnerorganisation um Plätze gefeilscht, wer noch nicht bezahlt hat fliegt raus und die letzten Anmeldungen erhalten auch eine Absage. Aber ich weiß jetzt schon, dass am Montag Leute dastehen werden, die sich angemeldet haben, auch schon ihren Beitrag auf das Konto überweisen haben und natürlich von einer Absage nichts wissen. Ich sorge mich also weitere 2 Tage am Wochenende.

Montagmorgen 9.00 Uhr. Es kam wie es kommen musste, denke ich, zwei junge Ingenieros aus Piura stehen vor mir und halten mir ihren gefaxten Anmeldebogen unter die Nase, zwei weitere ebenso. Was soll ich tun Sie wieder nach Hause schicken? Piura ist eine Übernachtfahrt entfährt. Also gut, akzeptiert!

Montagmittag wir sind 26 Teilnehmer und das bleiben wir auch für die vier Tage. Diesmal hatten die Kollegen also doch recht: "No te preocupes"!

Sonntag, 8. April 2007

Über Ostern in Huaraz

Sonntag, 25. Februar 2007

Angekommen!?

10 Tage Deutschland im ICE-Tempo liegen hinter mir. Ich habe viele von Euch gesehen aber lange nicht alle. Ein bisschen Angst hatte ich nach Deutschland zu fliegen. Ich bin doch gerade erst in Lima angekommen und fange an mich hier richtig wohl zu fühlen: "Was, wenn mir alles fremd ist, oder schlimmer wenn es so schön ist, dass ich gar nicht wieder zurück will?"

Ankunft Frankfurt 10.00 Uhr morgens
Ich lande in good old germany und bin noch ganz distanziert, warte auf mein Gepäck hetzte zum ICE nach Siegburg der zeitgleich mit mir am Bahngleis ankommt. Natürlich hilft einem beim ein- und aussteigen auch niemand mit dem Gepäck. Wie immer sind alle damit beschäftigt erster zu sein und wichtig irgendwohin zu hetzen. Ich bin ein bisschen genervt und vor allem müde. Aber das ist ja auch kein Wunder nach der langen Reise. Es ist grau, kalt, regnerisch und sogar einige Schneeflocken dazwischen. In Lima hingegen ist gerade Sommer 30 grad ich könnte auf dem Balkon sitzen, denke ich. Puhh geschaft: Ankunft in Siegburg. Andrea holt mich ab und es ist sofort alles wie immer. War ich weg? Alles so normal und vertraut. Ich bin ANGEKOMMEN. WELCOME HOME..

Wir fahren erst mal zum Essen zu Markus der bereits auf dem Absprung ist um in ein paar Stunden nach Argentinien zu fliegen. Verrückte Welt! Aber erstmal im Bioladen einkaufen. Ich habe Hunger (das ist ja bekanntlich nichts neues) hui und ein richtige Bioladen: richtiger Käse, echtes deutsches Brot, dass ganz sicher nicht beim schneiden auseinander fällt, Säfte, Milch mit einem dicken Fettpfropfen drauf. Ah, leeckkkerr!

So, aber dann ist erstmal ne Dusche und ne Stunde schlaf dran – mehr ist nicht drin damit ich mich gleich an den Rhythmus gewöhne. Und dann eine ungewöhnliche Shopping-Tour. Meine Güte ich habe noch nie so viele Klamotten in so kurzer Zeit gekauft. Aber ich habe auch nur vier Tage in Bonn und Klamotten kann man in Lima nicht kaufen: zu klein, zu eng, zu rosa, zu viele Pailetten.

Besonders schön war natürlich der Besuch bei meiner Familie, insbesonder meines Neffen Paul und meiner Neffin Viola. Mit der Tante in Peru bekommen sie jetzt natürlich immer echte peruanische Geschenke: Auf dem Bild mit echten, warmen aber auch leicht kratizigen Lama-Mützen!!

Zweiter Teil meines Aufenthaltes, der eigentliche Anlass: Bio Fach 2007 in Nürnberg. Der Markt boomt wie immer zur BioFach! In den deutschen Hallen fühle ich mich wie zu Besuch genau wie auf den Empfang des Bundesverbandes Naturkost - die Fachgespräche ziehen an mir vorbei: Schweineproduktion, Gastronomie-Zertifizierungs, Verbandsgeklüngel, damit habe ich nichts am Hut. Wir haben hier halt andere Probleme. Aber trotzdem alles so vertraut.

Tagsüber bin ich jetzt hauptsächlich in den internationalen Hallen. Das englische will allerdings nicht so recht flüssig fließen. Immer wenn die "Übersetzungsmaschine" anspringt geht als erstes die Übersetzung von deutsch auf spanisch los und dann erst ins englische. Das gibt dann irgendwie ein Kuddel-Muddel. Glücklicherweise finden die meisten Gespräche auf spanisch oder deutsch statt. Aber nach vier Tagen habe ich trotzdem ein Sprachmix im Kopf, fange mit meiner peruanischen Kollegin an deutsch zu sprechen und mit den deutschen spanisch. Und dann gucken mich immer alle an als würde ich chinesisch sprechen.

Und zum Abschluss am Sonntag Abend gab es in Bonn noch einen Tatort! Ganz Wunderbar!

Zurück in Lima. 1.00 Uhr nachts.
Der Kollege hat bereits eine Stunde auf uns gewartet. Meine Koffer waren die letzten. Es sind 25 Grad und schön warm-schwül. Auf dem Weg im Auto blinken überall Lichter der Leutreklamen und sonstiger Dekos. Die limenischen Busse fahren auch noch. Ich komme um 2.00 Uhr in der Wohnung an. Ivan, mein "Hauswächter", schleppt noch meinen Koffer in die fünfte Etage hoch, denn einen AUfzug gibt es nicht. Ich bin extrem dankbar, so müde wie ich bin. Ich trinke noch einen Tee auf dem Balkon und versuche meine Wohnung wieder in Besitz zu nehmen. Ich höre noch den Anrufbeantworter ab: „Sie haben zwei neue Nachrichten“, die mich willkommen heißen und zum Pisco-Sour dem Nationalgetränk einladen. Und schon wieder: Ich bin ANGEKOMMEN! Auch hier! Ein tolles Gefühl!

Zwischen zwei Welten, zwei Kulturen, zwei geographischen Zonen zu leben macht mich reich an neuen Erfahrungen, an Leben .... und öffnet neue Welten. Im Moment macht das richtig Spaß.

Liebe Freunde für alle die mich so herzlich empfangen habe (insbesondere mein Bonner-Basislager  ), für schöne Gespräche, für wohlige Küchen, viel lachen, leckeres Essen ein herzlichen Dank. Und beim nächsten Mal habe ich hoffentlich mehr Zeit um Euch alle zu sehen. Seit herzlich umarmt und bis bald hier oder dort!