Dienstag, 14. April 2009

Fruchtiger Sprachmix - Surtido peruano

"Möhren" sind Langeweiler, "Ananasse" Menschen die nie Glück haben und ein einfaches Examen ist "Papaya". Alles klar?

Hier eine kleine Auswahl aus der nicht nur fruchtigen, sondern auch gemüsig-landwirtschaftlichen Sprache der Peruaner. Sozusagen ein "Surtido" (Surtido heißt "Auswahl" und wird in der Regel für einen Saftmix
-jugo surtido- verwendet):

Fresa / Erdbeeren
De frente, derecho / Después de esa avenida, sigues “de fresa” hasta la casa verde.
Geradeaus / Nach dieser avenida, folgst du der Straße „de fresa“ (geradeaus) bis zum grünen Haus.

Mango / Mango - Tener la sartén por el mango
Relativo al dinero. Me quedo sin un mango en el bolsillo por ir al concierto.
"Synonym" für Geld / Ich habe nicht mehr eine “Mango” in der Tasche um auf das Konzert zu gehen.

Und was hat jetzt die Pfanne (sartén) mit der Mango zu tun? "Tener la sartén por el mango".
Das bedeutet am längeren Hebel sitzen. El Mango bedeutet nämlich eigentlich "Stiel", in diesem Fall wohl eher Pfannenstiel.


Manzana / Apfel
So heißt hier ein Häuserblock (eher argentinischer Ausdruckebracht der von den Spaniern mitgebracht wurde), der in der Regel 100x100m misst. "Manzana" ist aber auch ein Flächenmaß in Centroamerica: 1 manzana = 7000m². Der "manzana de la discordia" hingegen ist der Zankapfel.

Palta / Avocado - No te hagas paltas
Palta ist ein Word das aus der Quechua-Sprache kommt und in Peru für Avocado benutzt wird (spanish eigentlich = aguacuate).

Vergüenza - Se me rompió el pantalón en el baile. -¡Qué palta!
Peinlich – Ich habe mir beim Tanzen die Hose kaputt gerissen. Wie peinlich!

“Hacerse paltas”, hingegen bedeutet die Dinge zu verkomplizieren oder sich seine eigenen (unnötigen) Probleme machen. "No te hagas paltas" wird benutzt für: Mensch, mach dir mal keine Probleme.

Paja / Stroh
Bueno, bonito, excelente / Quiero comprarme un pantalón paja.
Gut, toll, ausgezeichnet / Ich möchte mir gerne eine „paja“ (tolle) Hose kaufen.

Papaya / Papaya
Fácil, sin dificultad / El examen estaba papaya para todos.
Einfach, ohne Schwierigkeiten / Das Examan war “Papaya” (einfach) für alle.

Piña / Ananas
Se les llama así en el Perú a quienes no tienen suerte. Que piña!
Piña wird wiederum für Menschen ohne Glück benutzt. Que piña! = Pech gehabt!

Sapo / Frosch
Individuo listo, alerta / Walter es bien sapo, siempre consigue que las chicas paguen su entrada.
Cléver / Walter ist ein „Frosch“, immer schafft er es, dass die Mädels seinen Eintritt zahlen.

Yuca / Yuca oder Maniok
Difícil, poco probable / Está yuca sacarse el premio son muchos participantes.
Schwierig, wenig wahrscheinlich / Es ist “Yuca" den Preis zu gewinnen, denn es gibt viele Teilnehmer.

Zanahoria / Möhre
Sin vicios, cándido = Pablo no fuma, ni toma y siempre se va temprano. Es una zanahoria.
Ohne Laster, arglos = Pablo raucht nicht, trinkt nicht und geht immer früh nach Hause – Er ist ein „Möhre“.

Weiteren - nicht nur fruchtigen - "Jerga" (Slang) gibt es auch unter http://www.elbuscapersonas.com.pe/jergas/jergasperuanas10.htm

Mittwoch, 8. April 2009

Und es wurde Recht gesprochen

Dienstag 07.04.2009, 9.00. Unser ganzes Büro sitzt gespannt vor dem Fernseher. Drei Stunden lang haben wir der Urteilsverkündigung des Ex-Präsidenten Fujimori zugehört.

Der frühere Staatschef (Amtszeit 1990-2000) wurde in einem Mordprozess in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen und zu 25 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht, das 16 Monate lang verhandelte, hat Fujimori einstimmig für folgende Taten zur Rechenschaft gezogen:
  • Die Entführung eines Journalisten und eines Unternehmers. Beide wurden vom Geheimdienst festgehalten und gefoltert.
  • Die Ermordung von 15 Menschen während einer Feier im Jahr 1991 als mutmaßliche Terrorristen.
  • Die Ermordung oppositioneller Studenten und Professoren im Jahr 1992.
Nichts desto trotz spaltet Fujimori das Land. Zahlreiche „Fujimoristas“ haben gestern gegen das Urteil demonstriert, an der Spitze seine Tochter Keiko Fujimori die sich 2011 als Präsidentin zur Wahl stellen wird.

Die Einen sagen Fujimori hat uns den Frieden gebracht, da er den Anführer des Sendero Luminoso Abimael Guzmán gefangen genommen, sowie die Hyperinflation aus der ersten Amtszeit Alan Garcias bekämpft hat. Außerdem hat er vor allem Schulen und Straßen in abgelegenen Regionen gebaut. Die Anderen sagen er ist ein Diktator, er entließ ihm missgünstige Richter, verfolgte kritische Journalisten, sterilisierte Frauen in den Anden zur Regulation der Nachkommenschaft ohne ihr Wissen und war im höchsten Maße korrupt.

Hat Fujimori eine Chance mit der angekündigten Berufung? Und wie lange wird er wirklich sitzen? Tatsächlich 25 Jahre? Was passiert wenn seine Tochter 2011 Präsidentin wird? Was passiert wenn Fujimori Alan Garcia, den jetzigen Präsidenten, mit seinem Wissen über die Taten Garcias während der Zeit des "Leuchtenden Pfandes" (der Zeit der ersten Präsidentschaft Garcias), unter Druck setzt?

All das wird diskutiert. Und es ist sicher, dass noch mehr Prozesse folgen werden, denn Fujimori wird Berufung einlegen und es stehen zwei weitere neue Prozeße wegen Korruption aus. Wichtig ist zunächst das Urteil als historisches Ereignis. Die Angehörigen der ermordeten haben mit dem Urteil auch das erste Mal bestätigt bekommen, dass die Opfer keine Terroristen waren. Sie haben das erste Mal das Gefühl es ist Recht gesprochen worden. Dafür haben sie 17 Jahre gekämpft und haben nicht nur für sich und die Opfer Recht erkämpft, sondern auch das Recht auf Demokratie für die peruanischen Gesellschaft.

Und auch das wir dies im Büro zum Anlaß nehmen gemeinsam Ceviche zu essen, ist ein Zeichen dafür, dass dies ein ganz besonderer Tag für die Peruaner ist. Viva la democracia!

Samstag, 4. April 2009

Flaschenrecyling

Wie viele Flaschen ich wohl schon in meinem Peru-Leben in den Müll geschmissen haben? Es sind unzählige und im Zweifelsfall mehr als ich in meinem Deutschland-Leben bisher verbraucht habe.

In Deutschland kaufe ich zum trinken Wasser in Glasflaschen und zum Teekochen nehme ich Leitungswasser. Hier kommt sowohl mein Trink-als auch Kochwasser aus der Flasche. Denn obwohl das Wasser hier sehr stark gechlort ist habe ich kein besonders großes Vertrauen in das Leitungswasser. Was da wohl noch so an Schwermetallen aus der ganzen Minenproduktion unsichtbar mitschwimmt? Und die ganzen Bakterien die meinem Magen eh schon zu schaffen machen?

Also gehe ich leider auf Nummer sicher und trinke nur Wasser aus der Flasche. Während meine Flaschen nur manchmal wieder nachgefüllt werden, landen die meisten im Mülleimer. Die Peruaner sind hingegen viel einfallsreicher und verwenden die Flaschen sehr gerne als Blumentopf, Wasserleitungen, Vogeltränke etc. Hier ein kleiner Überblick über Recylingmöglichkeiten einer Plastikflasche:

Hier sind mehrere Flaschen als Leitung zusammengebaut.
Diese werden auf dem Land gerne als Wasserleitungen benutzt.


Der Klassiker auf dem Dach um die Metallgestänge
an den halbfertigen Häusern vor Regen und Korrosion zu schützen.


Ein Brunnen und wo sind hier die Flaschen?


Mit den Flaschenböden wurde das Muster
in den Brunnen gedrückt. Raffiniert, oder?


Als Vogeltänke auch sehr praktisch


Und gleich daneben auch als Futterhalter im Vogelkäfig


Und auch als Blumenvase auf dem Friedhof sehr begehrt.

Und es gibt noch viel, viel mehr Möglichkeiten......

Sonntag, 8. März 2009

Ich packe meinen Koffer .....

Koffer von Freunden: Deutschland - Peru.
Wichtig ist natürlich DIE ZEIT, brand eins sowie HARIBO und Schokolade!!!
Gelegentlich kommen noch Zahnbürstenköpfe sowie nicht schäumende Zahnpasta etc. hinzu.


Koffer bei der Abreise: Lima - Deutschland.
Gefüllt mir peruanischen Souvenirs, Baby-Alpaka Pullovern, Textilien etc. Leider fehlt ein Foto meines eigenen Koffers der zumindestens im letzen Jahr neben kleinen Geschenken 3 Flaschen Pisco, 2 Flaschen Jarabe (flüssiger Zucker), ein grosses Netz Limetten und eine Limetten-Presse zum mixen vom Pisco Sour enthielt. Dieses Jahr musste aldies leider zu Hause bleiben, da ich nur 20kg Gepäck mitnehmen durfte.

Wahrscheinlich könnte man so eine ganze Serie an Fotos gestalten mit den Entbehrungen der im Ausland lebenden Deutschen. Es gibt natürlich auch einmal im Jahr die Möglichkeit über die deutsche Botschaft wichtige Dinge wie Waschpulver, Bier und andere Dinge zu bestellen die man vermissen könnte. Ich habe davon noch nie Gebrauch gemacht habe ich doch meine treuen Besucher die vieles mitbringen.

Sonntag, 8. Februar 2009

Umgang mit Fehlern - Vier Kulturschubladen zum sortieren und umsortieren

So lass ich es über Brasilianer und Chinesen im Wirtschaftsmagazin brand eins im August 07:

Die Brasilianer
Interessieren sich nicht für Regeln oder Analysen. Und Fehler? Kennen sie nicht. Die Brasilianer machen keine Fehler. Das lässt ihre Sprache nicht zu. Es gibt „Omnissão“ die Unterlassung und „faha“ den technischen Defekt, „juizo falso“ die Fehleinschätzung und „ero humano“, das menschliche Versagen…

Die Chinesen
Sorgen mit ihrem Sozialkodex dafür, dass Fehler nicht mit Spott und Demütigungen bestraft werden. Das kann zu konstruktiver Kritik führen. Oder zu noch mehr Fehlern….

Die Deutschen
Treffen gerne Entscheidungen, aber lernen sowohl die Fehlerkonsequenzen abstrakt einzuschätzen als auch die Konsequenzen zu übernehmen.

Die Peruaner
Nach meiner Erfahrung kennen sie das Wort „error“ (Fehler) sehr gut und ein beliebtest „Spiel“ ist „echar la culpa“ (die Schuld auf einen anderen schieben). Manchmal habe ich den Eindruck, dass jeder froh ist nicht selber einen Fehler gemacht zu haben und deshalb die Fehler der andern noch mal betont.

Diese Woche hatte ich mal wieder ein Beispiel dafür, als die Druckerei nach erteilter „Order „und Bezahlung von 50% des Auftrages der Meinung war sie müsse den Kostenvoranschlag neu berechnen, weil ich eine Änderung gewünscht hätte. Nach 20 Minuten Diskussion habe ich irgendwann zu der Bearbeiterin gesagte, sie solle jetzt doch einfach eingestehen sie hätte einen Fehler gemacht und nicht versuchen mir den Fehler in die Schuhe zu schieben und eine angebliche Änderung meinerseits aus dem Hut zaubern. Der Geschäftsführer gab mir dank gut aufbewahrter emails glücklicherweise Recht und der Kostenvoranschlag wurde beibehalten.

So sehr wie mich das Verhalten der Bearbeiterin geärgert hat, glaube ich, dass dahinter die Angst der Menschen steht ihren Job zu verlieren oder Fehler selber – mit ihrem eigenen Gehalt - bezahlen zu müssen. Einmalige Fehler werden nicht unter „passiert halt“ abgehackt mit dem Hinweis nächstes Mal besser machen sondern müssen sehr häufig selbst bezahlt werden. Die Folge ist, dass man lieber keine Verantwortung übernimmt und so wenig wie möglich macht, denn dann kann man auch keine Fehler machen. Scheitern ausgeschlossen. Das Resultat? Keiner ist Verantwortlich, keiner trifft Entscheidungen und die Dinge bewegen sich nur schleppend. Und das spiegelt sich leider auch hier im Land wieder. Die Angst etwas falsch zu machen, dafür bestraft zu werden lähmt hier viel.

Das ist jetzt natürlich für jedes Land eine „Kultur-Fehler- Schubladen“. Wohl wissend, dass auch diese Schubladen fehlerhaft sein können und das in jedem Land eine Bandbreite von Menschen mit verschiedenen Verhaltensmuster leben. So werde ich in Peru sowohl die für mich klassischen chinesische, brasilianische und deutsche Fehlerkultur finden.

Glücklicherweise habe ich den letzen Jahren gelernt erstmal eine Kulturschublade auf zu machen um diese ganzen gesammelten Erfahrungen zu sortieren und zu kategorisieren. Wichtig ist es die Fähigkeit, fehlerhaft gepackte Schubladen um zu packen und auch zu akzeptieren das es verschieden Schublade und somit verschiede Möglichkeiten im Umgang mit Fehlern gibt. So wie der Rheinländer gerne sagt. „Die Welt ist bunt“ und „Jeder Jeck ist anders“.

Dienstag, 6. Januar 2009

Nebelgrenze in Lima

Heute bei meinem Rückflug von Cusco nach Lima konnte ich das erste Mal die Nebelgrenze in Lima klar und deutlich von oben sehen. Auch wenn gerade Sommer ist und das Wetter sehr schön, der Nebel zieht auch jetzt manchmal über die Stadt und das was ich sonst nur von unten wahrnehme - die Nebelgrenze - konnte ich diesmal von oben sehr schön sehen.

Hier sieht man wie sich der Nebel vom Meer her über einen Teil der Stadt niederlegt.


Und hier sieht man klar und deutlich die Nebelgrenze. Rechts die Stadtteile liegen unter Nebel und der Rest der Stadt ist nebelfrei.

Montag, 5. Januar 2009

Inka-Stätte: Choquequirao

Weihnachten habe ich dieses Jahr mit Freunden in Cuzco verbracht. Eine immer wieder faszinierende peruanische Stadt; reich an Inka- aber auch an spanischer Kolonialgeschichte. Mit seinen roten Dächern erinnert mich die Stadt immer an Italien. Leider zermaterte mich die ersten 5 Tage eine zähe Soroche (Höhenkrankheit), so dass ich recht matt, müde und vor allem permanente Kopfschmerzen hatte.

Nach Weihnachen ging es dann endlich raus in die Berge. Unser Ziel hieß Choquequirao. Die Inka-Stätte, die wie Machu Pichu auf einem Bergkamm liegt, ist Teil eines komplexen Systems von Inkastädten im Vilcabamba-Tal. Der Ruinenkomplex ist ca. 1800 Hektar groß, aber ist in großen Teil noch nicht freigelegt. Zu Zeiten der Inkas war Choquequirao mit Machu Pichu verbunden und hatte große wirtschaftliche, strategische und religiöse Bedeutung für Cusco. Da die Inka - Stadt lange Zeit vergessen war und kein ursprünglicher Name überliefert ist entstammt der Name der Quecha-Spache; ist aber eine Schöpfung der Neuzeit und bedeutet soviel wie "Wiege des Goldes".

Zunächst geht es mit dem Bus nach Cachora einem kleinen Dorf 160 km von Cusco entfernt. Von hier startet ein 31 km langer Wanderweg nach Choquequirao. 31 km hört sich nicht viel an, aber die Stätte liegt auf 3085 m und auf dem Weg geht es 1500 Höhenmeter steil abwärts und nach der Flussüberquerung 1500 Höhenmeter steil aufwärts. Daher werden in Cachora Maulesel angeboten die das Gepäck tragen, denn Zelt, Schlafsack, Isomatte, Essen, Kocher sind Grundvoraussetzung. Auch wenn inzwischen einige Familien, die in dem Gebiet wohnen kochen ist es ganz ratsam ein paar Suppen etc. mit zu nehmen. Denn wenn man Pech hat ist die cocinera (Köchin) gerade nicht da oder es gibt gerade kein Feuer auf dem man kochen kann, oder, oder, oder.

Ein paar Bildeindrücke:

In diese Schlucht müssen wir runter


Abendliches Zelt aufbauen

Choquequirao von ferne, der untere Teil ist gut zu erkenennen, aber es gibt auch noch einen oberen Teil der zwischen den Wolken nur schemenhaft zu erkennen ist.


Choquequirao "Oberer Teil" von oben


Und hier werden für uns selbstgemachte Nudeln gezaubert



Cachora - eine Stadt verändert sich mit dem Tourismus
Seit 2005 ist der Weg nach Choquequirao geöffnet. Früher haben in Cachora alle von der Landwirtschaft gelebt, heute lebt ein Grossteil der Menschen vom Tourismus. Ein Verein der Arilleros (die Maulessel-Treiber) wurde gegründet. Heute, so erzählt uns ein Arillero kaufen die Leute lieber einen Maulesel als eine neue Kuh. Ein Maulesel kostet 1500 Soles bringt aber pro Tag Gepäck tragen 20-25 Soles (ca 6 EUR) und der Maulesel Treiber bekommt noch einmal genauso viel.

Die Touristen werden immer mehr. Wir sind in der Nebensaison - der Regenzeit - da. Nichts desto trotz laufen jeden Tag Gruppen hoch. Neue Hostels entstehen, aber interessanterweise gibt es noch kein Internetcafe und nicht mal mein Handy hat Empfang. Ich finde es Klasse! 7 Tage ohne Internetverbindung und Telekomunikation.

Von Individual- bis Kolonialreisender ist hier alles vertreten
Die Tour ist eigentlich für 4 Tage ausgelegt, aber wir haben Zeit, habeb keine Lust uns zu hetzen und wollen auch mind. einen ganzen Tag Choqaquirao erkunden. So haben wir uns 7 Tage Zeit genommen und treffen so den ein oder anderen "schnellreisenden" auf der Tour ein zweites Mal. Während mein Gepäck vom Maulesel getragen wird, schleppt meine Mitstreiterin Diana ihr Gepäck selber nur Gaskocher und Zelt werden noch vom Maulesel getragen.

Wir treffen auf unserem Auf- und Abstieg ein buntes Poutpouri an Menschen. Da sind die beiden jungen Russinnen die sich morgens erstmal die Nägel feilen (das Make-up lassen sie glücklicherweise weg) mit ihrem privaten peruanischen Führer der ihr Gepäck schleppt; der 60-jährige Holländer mit seiner peruanischen Frau die zu Pferde und einer ganzen Heerschar von Küchenleuten und Trägern reisen; der Engländer der bis Machu Pichu will und zwei Eseltreiber mit hat; Mischa der Individualreisende der seit 20 Monaten reist und seinen Rucksack selber schleppt; die beiden jungen peruanischen Journalisten die mit leichtem Gepäck in zwei Tagen hoch rennen zu Sylvester einen „pago a la tierra“ (Feuer mit kleinen Opfergaben an die Götter) machen und in einem Tag in 14 Stunden wieder runter rennen (manche Menschen haben einfach zuviel jugendliche Energie). Sie Inka-Stätte ist also für viele Menschen reizvoll trotz anstrengender Anreise.

Glücklich und zufrieden kommen wir nach 7 Tagen also wieder in Cachora an, essen abends noch Pollo con papa (Huhn mit Kartoffeln) für 3 Soles (90 Cent), wobei man ehrlicherweise sagen muss das es sich mehr um hueso (Knochen) als um ein pollo frito (frittiertes Huhn) handelte. Und treffen auch hier wieder neue Gruppen die sich am nächsten Tag auf den Weg zur Inka-Ruine machen.

Zurück in Cusco kommt mir die Stadt ganz schön groß vor, wie wird das wohl in Lima werden?

Samstag, 29. November 2008

Nicaragua die Dritte

Managua. Nach 22 Stunden endlich angekommen! Es kommt mir schon sehr vertraut vor. Es ist das dritte Mal das ich hier lande. Aus dem klimatisierten Flughafengebäude herauskommend schlägt mir die feucht-warme Luft entgegen. Und ein unendlich blauer Himmel. Es fühlt sich sehr vertraut an, nicht so fremd und neu wie beim ersten Mal.

Ich fahre mit dem Taxi zum Büro und wie auch im letzten Jahr springen mir die Bilder von Comandante Daniel Ortega entgegen. „Arriba los pobres del mundo: más democracia, más poder” – („Die Armen der Welt an die Macht – Mehr Demokratie, Mehr Macht”). Das Bild ist das gleiche: Daniel Ortega mit einer unmotivierten erhobenen Faust - es sieht so gar nicht kämpferisch aus.

Soziale Ungleichheiten
Nicaragua hat 5,58 Millionen Einwohner und ist von einer extremen sozialen Ungleichheit gezeichnet. Die Armutsrate beträgt laut Weltbank(2005) 46%. Auf dem Land sogar 68%. Die Inflationsrate lag laut Banco Central de Nicaragua 2007 bei 16,9% (2006: 9,5%; 2005: 9,9%). Die Pro-Kopf-Ausgaben im Jahr 2007 sind gegenüber 2006 um mehr als das Doppelte gestiegen. In erster Linie sind Lebensmittel und Benzin teurer geworden. Die Regierung antwortet auf die Preissteigerung mit populistischen Maßnahmen. Es werden Schweine an Familien geschenkt, welches zwar kurzzeitig das Ernährungsproblem löst, langfristig aber weder die soziale, noch wirtschaftliche Lage der Familien verbessert. Dafür gibt es aber auch kostenlose Arzt- und Schulbesuche sowie das Sozialprogramm „Hambre Cero“ (Null Hunger). Dieses soll vorwiegend der armen Bevölkerung helfen, sich mit Grundnahrungsmitteln selbst zu versorgen

Wahlkampf mit Gott und Box-Champion
Am 23. November wurden in Nicaragua in 146 von 153 Kommunen der Bürgermeister gewählt. Danach gab es einen großen Skandal wegen Unregelmäßigkeiten. Die Wahlen sollen nicht frei und unabhängig gewesen sein. Von Wahlbetrug durch Daniel Ortega ist die Rede.

Was mich erschreckt sind die Wahlplakate, die noch überall hängen mit dem Spruch: „Cumplir al pueblo, es cumplir a Dios“ (Das Volk zufrieden stellen, heißt Gott zufrieden stellen). Daniel Ortega steht insbesondere den evangelikalen Kirchen nah, die in Nicaragua (auch in Peru) ein Gegengewicht zu den rechtsgerichteten Vereinigungen wie zum Beispiel das Opus Dei darstellen. Die katholische Kirche hat Ortega mit einem der schärfsten Abtreibungsgesetze „beglückt“. Das Gesetz stellt Schwangerschaftsabbruch in jeden Fall unter Strafe, auch wenn das Leben der Mutter gefährdet ist oder die Frau vergewaltigt wurde. Das Ganze wurde unter Zustimmung der katholischen und protestantischen Kirchenführer des Landes unterzeichnet.

Die Wahlplakate und die Sozialprogramme kommen mir vor wie „Brot und Spiele“. Das passt auch zu der Kampagne von Alexis, der nun gewählte Bürgermeister in Managua ist. Alexis war ein weltbekannter Boxer mit Weltmeistertitel (nicht das ich schon mal was dem gehört hätte). Sein Wahlspruch: „Campéon 2008“ (Champion 2008).

Und ich in Nicaragua?
Meine Hauptaufgabe ist es diesmal ein Trainingskurs für unsere Inspekteure zum Standard GLOBALGAP und UTZ CERTIFIED . Hier geht es um gute fachliche Agrarpraxis. Das Programm zwei Tage Büro, einen Tag praktische Übungen auf einer Kaffee-Finca.

Besonders interessant fand ich aber unsere kleine Veranstaltung im IICA (Instituto Interamericano de Cooperación para la Agricultura). Hier soll ich wieder mal etwas zur neuen EU-Verordnung zum ökologischen Landbau erzählen. Den Vortrag habe ich bereits vor zwei Wochen in Kanada gehalten, allerdings habe ich hier ein unerwartetes Publikum vor mir. Ich habe das Gefühl man hätte vielleicht nicht mit den Änderungen, sondern mit der EU-Verordnung allgemein anfangen sollen, auch wenn es sich bei den meisten Teilnehmern um die „Mesa redonda ecologica“ (runder Tisch zum Ökolandbau) handelt.

Interessant war wie immer die Zeitkomponente. Die Veranstaltung ist auf 8.00 Uhr angesetzt. Mein Kollege und ich - als Vorträger - kommen um 8.30 an. Angefangen wird dann so um 9.30. Da hätte ich ja noch 1, 5 Stunden arbeiten können denke ich mir wohl wissend das das E-Mail Postfach voll sein wird. Ich finde diese Unpünktlichkeit, Unplanbarkeit immer noch anstrengend und kann mich an diese ungenauen Zeitangaben einfach nicht gewöhnen. Weitere Teilnehmer kommen erst um 10.30 da sollte die Veranstaltung eigentlich schon fast zu Ende sein. Ich denke an das Buch „Landkarte der Zeit“ und an den Unterschied zwischen "Erlebniszeit" und "Uhrzeit". Während ich nach der Uhr lebe, leben viele Menschen in Lateinamerika nach der Erlebniszeit. Ein Ereignis dauert so lange wie es dauert und dann geht man eben zum nächsten über. Das hat durchaus auch etwas sehr positives.

Zum zweiten Mal in meinem Leben befand ich mich "urplötzlich" in einer Karaoke-Bar. Das ist sowohl in Peru, Bolivien als offensichtlich in Nicaragua ein beliebter Zeitvertreib. Glücklicherweise konnte ich es auch diesmal wieder von mir abwenden selbst zu singen. Aber ganz ehrlich sind diese lateinamerikanischen Schnulzen auch nix für mich. Aber die Latinos lieben es und es ist als Zuschauer auch recht lustig zu sehen (besser zu hören) wer sich auf einmal als begnadeter Sänger aus der Runde entpuppt.


Zurück in Lima vermisse ich sofort den blauen Himmel Managuas. Es wiederholt sich jedes Jahr, aber es ist auch jedes Jahr wieder zum stauen wie anders diese Welten sind, welch anderes Tempo, welch andere Gewohnheiten. Und wie schön es ist einen anderen Teil von dieser Welt zu kennen und zu teilen.

Samstag, 1. November 2008

Auf dem Friedhof einmal quer durch Peru

Allerheiligen - Día de los muertos. Ich fahre wie vor zwei Jahren nach Villa Maria de Triunfo zum Friedhof. Er soll, mit 200 qm, der größte Friedhof Lateinamerikas sein.

An Allerheiligen geht es dort zu wie auf einem Jahrmarkt.
Das Taxi schafft es nicht bis zum Eingang, so voll ist es. Ich muss fast einen km laufen. Auf der einen Seite der Strasse laufen die Menschen auf der anderen Seite fahren die kleinen wendigen Mototaxis. Die Luft ist voll von Staub und dem Gestank des Benzins der Mototaxi. Das Ganze wird vermischt mit Essensgerüchen von Grillfleisch, Pachamanca, Chicharones, Ceviche...... Hier wird heute die komplette peruanische Küche angeboten. Auf dem Friedhof kann ich sowohl kulinarisch als auch musikalisch einmal quer durch Peru reisen, denn die Menschen kommen hier aus allen Regionen des Landes zusammen.

Leider ist es schon wieder grau, die Sonne will sich nicht zeigen, zusammen mit dem Staub der unasphaltierten Strasse ist es ein bisschen trostlos - wenn da nicht die vielen Blumen, Clowns, rosa Zuckerwatten, kandierte Rote Äpfel und die Essensgerüche wären. Von allen Seiten ertönt Musik, mal aus dem Radio, mal eine echte "Banda". Außerdem tönt es von allen Seiten mit Verkaufsangeboten von Blumen, Bier, Gua-Gua (Brot), Kerzen und vielem mehr und alles zur gleichen Zeit. Immer wieder werde ich angestarrt :"Hello Miss" rufen sie mir freundlich zu oder ich sehe ein paar Jugendlich die wie kleine Mädchen die Köpfe zusammenstecken, tuscheln und mir hinter her gucken. Hier falle ich auf, obwohl ich alte Sachen angezogen habe, ist es offensichtlich das ich hier nicht "hingehöre".

Es ist ein großes Geschäft: Musik- und Tanzgruppen die man für ein Ständchen mieten kann, Grabmaler, Blumenverkäufer, Essens- und Getränkestände und selbst Klos - ein Loch hinter einer Plastikfolie - werden angeboten. Die "Heilkundler" mit ihren Mixturen dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Ich bin mal wieder platt: Welch Kontrast denke ich mir zu den deutschen Friedhöfen. Wo alles wie in einen Wattebausch gepackt ist: leises flüstern, wenige Menschen, nicht essen und trinken, alles eben quadratisch ordentlich. Das Jahrmarktspektakel auf dem Friedhof gibt es allerdings nur in den Aussenbezirken von Lima, der zentrale Friedhof in Lima ist ebenso ein Ort der Ruhe.

Hier wieder mal ein kleiner Fotoeindruck






TANZ- UND MUSIKGRUPPEN AUS VERSCHIEDENEN REGIONEN PERUS

Hier handelt es sich um den Scherentanz aus Puno. Wer genau hinguckt erkennt die Schere in der rechten Hand des Tänzers. Damit wird während des Tanzen geklappert. Begleitet wird er von einer Geige und der typischen Harfe aus Perú.

Mehr Musiker aus verschiedenen Regionen


WEITERE WICHTIGE DIENSTLEISTUNGEN AUF DEM FRIEDHOF

Auf dem Friedhof gab es Menschen die mit Farbtopf und Pinsel ihre Dienste zur Verschönerung der Gräber anbieten.

Ganz wichtig bei so vielen Menschen: Klos - insbesondere für Frauen :-)

Blumenverkauf
Die "Natur"-Heiler dürfen bei diesem Getümmel natürlich auch nicht fehlen. Schlangenhäute, Eidechseninnerein... ich will es gar nicht so genau wissen.
Lea su suerte - Man liest ihr Glück (wie auch immer das geht - macht der Affe das?)
Und sooooviele Mototaxis gab es auf dem Hin- und Rückweg
Und im nächste Jahr schaue ich mir dann mal einen Friedhof in einem anderen Stadtviertel an....

Dienstag, 14. Oktober 2008

LA PAZ

La Paz ist der Regierungssitz Bolivien (Hauptstadt ist Sucre) und hat nicht mal eine Million Einwohner, für eine lateinamerikanische Großstadt sehr ungewöhnlich. Wenn man die Aussenbezirke "El Alto", "Viacha" und "Achocalla" mit einschließt kommt man auf etwas mehr als 2 Millionen Einwohner, verglichen mit 12 Millionen in Lima gerade zu lächerlich. Insgesamt hat Bolivien ca. 9 Mill. Einwohner, dass ist immer noch weniger als Lima Einwohner hat.

La Paz liegt aus 3.500 Meter in einem tiefen Canyon, wie in einem großen Kessel. Die Anfahrt und Sicht auf La Paz ist atemberaubend. Die Stadt wird vom mächtigen Ilimano (6.439 m) mit seinen drei Gipfeln beherrscht.

Die Wohnviertel weisen eine deutliche Übereinstimmung zwischen Höhenlage und sozialem Status auf: je höher die Lage, desto ärmer die Bewohner und umgekehrt.

Ich fühle mich in dieser sonnigen Stadt sofort wohl. Das Stadtbild ist sehr andin geprägt, viel stärker als in Lima. Insbesondere die Frauen mit ihrer typischen Tracht mit Hut prägen dieses Bild. Es ist ein Bild voller Gegensätze. Hier fliesst traditionelles und modernes zusammen: Indigene Märkte- schicke Botiquen, koloniale Häuser - Betonklotz-Bauten, Supermärkte - Strassenstände, "Andinos" -"Weiße" etc. Es ist noch viel wuseliger als in Lima mit seinen ganzen ambulanten Händlern auf der Strasse, die alles verkaufen was man so braucht. Nichts desto trotzt erscheint es mir ruhiger und nicht so hektisch und aggressiv wie Lima. Es wird weniger gehupt und auch ein kleines bisschen rücksichtsvoller Auto gefahren.

Besonders beeindruckt hat mich ein riesiger Markt mitten in der Stadt: Erdbeere, Papaya, Mangogeruch steigt mir in die Nase. Manchmal auch der Geruch von ungekühltem Hühnchen oder Rind. Der ungekühlte Fleisch-Anblick ist - am mehr oder weniger frühen Morgen - etwas weniger erträglich. Menschenmassen schlängeln sich zwischen den Ständen her. Wir sind die einzigen Touristen. Unsere Kamera wird manchmal freundlich, manchmal mit Beschimpfungen wahrgenommen. Aber sie faszinieren mich immer wieder diese Märkten: die Vielfalt, die Gerüchen, das Chaos und besonders die faltigen und bildbändern sprechenden Gesichter und Hände der Menschen.

Hier ein paar Bild-Eindrücke vom Marktgeschehen


Obst, Obst, Obst


Blumenstand


Verschiedenen Bananensorten



Frischer Fisch - nur für wie lange ohne Kühltheke?


Getrocknete Pfirsiche


CHUNO - Getrocknete Kartoffel


Hüte


Und hier wurde ich als Paparazzi enttarnt :-)

Das wars mit Bildeindrücken aus La Paz!