Sonntag, 8. April 2007

Über Ostern in Huaraz

Sonntag, 25. Februar 2007

Angekommen!?

10 Tage Deutschland im ICE-Tempo liegen hinter mir. Ich habe viele von Euch gesehen aber lange nicht alle. Ein bisschen Angst hatte ich nach Deutschland zu fliegen. Ich bin doch gerade erst in Lima angekommen und fange an mich hier richtig wohl zu fühlen: "Was, wenn mir alles fremd ist, oder schlimmer wenn es so schön ist, dass ich gar nicht wieder zurück will?"

Ankunft Frankfurt 10.00 Uhr morgens
Ich lande in good old germany und bin noch ganz distanziert, warte auf mein Gepäck hetzte zum ICE nach Siegburg der zeitgleich mit mir am Bahngleis ankommt. Natürlich hilft einem beim ein- und aussteigen auch niemand mit dem Gepäck. Wie immer sind alle damit beschäftigt erster zu sein und wichtig irgendwohin zu hetzen. Ich bin ein bisschen genervt und vor allem müde. Aber das ist ja auch kein Wunder nach der langen Reise. Es ist grau, kalt, regnerisch und sogar einige Schneeflocken dazwischen. In Lima hingegen ist gerade Sommer 30 grad ich könnte auf dem Balkon sitzen, denke ich. Puhh geschaft: Ankunft in Siegburg. Andrea holt mich ab und es ist sofort alles wie immer. War ich weg? Alles so normal und vertraut. Ich bin ANGEKOMMEN. WELCOME HOME..

Wir fahren erst mal zum Essen zu Markus der bereits auf dem Absprung ist um in ein paar Stunden nach Argentinien zu fliegen. Verrückte Welt! Aber erstmal im Bioladen einkaufen. Ich habe Hunger (das ist ja bekanntlich nichts neues) hui und ein richtige Bioladen: richtiger Käse, echtes deutsches Brot, dass ganz sicher nicht beim schneiden auseinander fällt, Säfte, Milch mit einem dicken Fettpfropfen drauf. Ah, leeckkkerr!

So, aber dann ist erstmal ne Dusche und ne Stunde schlaf dran – mehr ist nicht drin damit ich mich gleich an den Rhythmus gewöhne. Und dann eine ungewöhnliche Shopping-Tour. Meine Güte ich habe noch nie so viele Klamotten in so kurzer Zeit gekauft. Aber ich habe auch nur vier Tage in Bonn und Klamotten kann man in Lima nicht kaufen: zu klein, zu eng, zu rosa, zu viele Pailetten.

Besonders schön war natürlich der Besuch bei meiner Familie, insbesonder meines Neffen Paul und meiner Neffin Viola. Mit der Tante in Peru bekommen sie jetzt natürlich immer echte peruanische Geschenke: Auf dem Bild mit echten, warmen aber auch leicht kratizigen Lama-Mützen!!

Zweiter Teil meines Aufenthaltes, der eigentliche Anlass: Bio Fach 2007 in Nürnberg. Der Markt boomt wie immer zur BioFach! In den deutschen Hallen fühle ich mich wie zu Besuch genau wie auf den Empfang des Bundesverbandes Naturkost - die Fachgespräche ziehen an mir vorbei: Schweineproduktion, Gastronomie-Zertifizierungs, Verbandsgeklüngel, damit habe ich nichts am Hut. Wir haben hier halt andere Probleme. Aber trotzdem alles so vertraut.

Tagsüber bin ich jetzt hauptsächlich in den internationalen Hallen. Das englische will allerdings nicht so recht flüssig fließen. Immer wenn die "Übersetzungsmaschine" anspringt geht als erstes die Übersetzung von deutsch auf spanisch los und dann erst ins englische. Das gibt dann irgendwie ein Kuddel-Muddel. Glücklicherweise finden die meisten Gespräche auf spanisch oder deutsch statt. Aber nach vier Tagen habe ich trotzdem ein Sprachmix im Kopf, fange mit meiner peruanischen Kollegin an deutsch zu sprechen und mit den deutschen spanisch. Und dann gucken mich immer alle an als würde ich chinesisch sprechen.

Und zum Abschluss am Sonntag Abend gab es in Bonn noch einen Tatort! Ganz Wunderbar!

Zurück in Lima. 1.00 Uhr nachts.
Der Kollege hat bereits eine Stunde auf uns gewartet. Meine Koffer waren die letzten. Es sind 25 Grad und schön warm-schwül. Auf dem Weg im Auto blinken überall Lichter der Leutreklamen und sonstiger Dekos. Die limenischen Busse fahren auch noch. Ich komme um 2.00 Uhr in der Wohnung an. Ivan, mein "Hauswächter", schleppt noch meinen Koffer in die fünfte Etage hoch, denn einen AUfzug gibt es nicht. Ich bin extrem dankbar, so müde wie ich bin. Ich trinke noch einen Tee auf dem Balkon und versuche meine Wohnung wieder in Besitz zu nehmen. Ich höre noch den Anrufbeantworter ab: „Sie haben zwei neue Nachrichten“, die mich willkommen heißen und zum Pisco-Sour dem Nationalgetränk einladen. Und schon wieder: Ich bin ANGEKOMMEN! Auch hier! Ein tolles Gefühl!

Zwischen zwei Welten, zwei Kulturen, zwei geographischen Zonen zu leben macht mich reich an neuen Erfahrungen, an Leben .... und öffnet neue Welten. Im Moment macht das richtig Spaß.

Liebe Freunde für alle die mich so herzlich empfangen habe (insbesondere mein Bonner-Basislager  ), für schöne Gespräche, für wohlige Küchen, viel lachen, leckeres Essen ein herzlichen Dank. Und beim nächsten Mal habe ich hoffentlich mehr Zeit um Euch alle zu sehen. Seit herzlich umarmt und bis bald hier oder dort!

Montag, 1. Januar 2007

Über Weihnachten: Raus aus Lima

Über Weinachten und Neujahr bin ich das erste Mal für längere Zeit Lima entkommen. Conny hat mich aus Deutschland besucht und wir sind ein auf Reisen gegangen.

Zuerst ging es nach Arequipa der zweiten größten Stadt nach Lima und dann 150 km weiter zum Colca Canyon. Eine faszinierende Landschaft mit tiefen Felseinschnitten. Nichts desto trotz wird hier Landwirtschaft betrieben und das schon seit den Inkas auf Terassenfeldern (siehe Bild). Mich erinnert dass mehr an Bilder die man aus Indien kennt. Für ist es die fasziniernenste Kulturlandschaft die ich bisher geshen habe.

Weihnachten im Colca haben wir dann quasi verpennt, denn die Höhe (ca. 3600m) hat uns so matt gemacht, dass wir schlicht weg früh schlafen gegangen sind. Am ersten Weihnachtsfeiertag sind wir dann zu den nahe gelegenen Inka-Ruinen und zum nächsten Ort nach Yanque rüber gelaufen. Hier wurde auf dem „Plaza de las Armas“ getanzt. In farbenfrohen Gewändern und mit fröhlicher Musik. Wir haben uns gewundert warum eigentlich nur die Frauen so tolle Trachten haben, die Männer aber in ihren Alltagskleidern tanzen und Musik spielen. Wir haben uns dann erklären lassen, dass einige der Frauen die tanzen verkleidete Männer sind. Die Geschichte hierzu war wie folgt:

“Es war einmal ein armer Bauerssohn der sich in die Tochter des reichen Bürgermeisters verliebte. Dieser wollte seine Tochter aber nicht hergeben, also hat sich der verliebte auf einer Feier als Frau verkleidet, mit seiner Liebsten getanzt und ist dann Arm in Arm aus dem Haus
herausgetanzt und mit ihr geflohen. Und wenn sie nicht gestorben sind dann leben sie
noch heute“ .

Die Musik kannte ich schon von meinem sehr beeindruckenden Friedhofsbesuch an Allerheiligen. Die Menschen sind hier sehr freundlich, beäugeln uns Europäer immer, aber die Kinder haben sich schon an die „Gringas“ gewöhnt und laufen direkt auf uns zu und wollen ein Foto von sich haben. Mit Digitalkameras ja heutzutage kein Problem. Ich fühle mich ja oft etwas deplaziert in solchen Andendörfern und versuch die Leute freundlich und mit Respekt zu behandeln, mich für ihre Kultur zu interessiere und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Manchmal gelingt das, manchmal bleibe ich aber auch Fremdkörper.

Unsere Reise ging weiter nach Cuszo und natürlich zur alten Inka-Festung: Machu Pichu. Die Inka-Festlung liegt auf ca. 2500 m und ist vom Flußtal aus ist sie fast nicht zu sehen. Lange Zeit war die Inka-Stadt von Vegetation überwuchert bis sie 1911 bei einer englischen Expedition wieder entdeckt wurde.

Den Inkastätten im Heiligen Tal um Cusco, Cusco selbst und Machu Pichu (alte Bergsptize) wird nachgesagt, dass sie energievolle und sehr besondere Orte sind. Auf dem Mach Pichu haben wir dann auch viel Energie für das neue Jahr 2007 getankt!

Freitag, 17. November 2006

Erste Eindrücke aus Lima...

An Lima habe ich mich soweit gewöhnt. Jetzt wo es Frühling wird, ist Lima wirklich richtig schön. Ich bin in fünf Minuten am Meer, zu mindestens an der Steilküste. Im Sommer wird da auch gebadet, aber das muss eher fürchterlich sein MENSCHENMASSEN am Feierabendstrand der Limeños.

An den Autolärm und die Abgase werde ich mich wohl nicht gewöhnen aber man kann es ja leider nicht ändern. Taxis gibt es hier *gefühlt* soviel wie Einwohner, oder vielleicht noch mehr? Ich bin immer recht wählerisch mit meinem Taxi, da dies ein potenzielles Risiko bietet ausgeraubt zu werden. Allerdings habe ich auch schon meinen Schlüssel im Taxi liegen gelassen, den mir der Taxifahrer dann ins Büro hinter gebracht hat (hatte glücklicherweise gesehen in welches Haus ich gegangen bin). Ich habe ja mehrere gute Schutzengel (toi, toi,toi). Tagsüber ist es eher ungefährlich ein Taxis zu nehmen und nachts fahre ich nicht alleine oder mit einem Taxi seguro.
Mein Taxi seguro ist Jesus, der Taxista des Vertrauens von meinen Kollegen. Und was sollte bei diesem Namen schon schief gehen. Nachts um 00.00 am Flughafen von Jesus abgeholt zu werden, dem man nicht mal mehr seine Adresse sagen muss und dann 30 Minuten nach Hause chauffiert zu werden, bei 80-er Jahre Musik ist ein echter Luxus, muy tranquilo.

So langsam baut sich auch ein seht nettes soziales Netzwerk auf. Am meisten musste ich bisher über die Einladung zum TATORT Sonntagabend lachen. Es gibt hier eine „Tatort-Gemeinde“: Tagesschau um 20.00 Uhr aus dem Internet und pünktlich um 20.15 der Tatort, entweder sonntagsfrisch oder den von der Vorwochen. Technik die Begeistert! Ich habe sehr gelacht 10 Deutsche in Lima gucken TATORT.!!! Was man im Ausland eben so braucht.

Zum Tag der Wiedervereinigung hat der Botschafter mich und ungefähr weitere 1.200 Gästen per Handschlag empfangen. Eine bunte Mischung aus Peruanern und Deutschen waren geladen. Es gab natürlich mit deutsches Essen und Hefeweizen. Erlebnisreich waren die live gespielten Hymnen: zuerst die deutsche dann die peruanische Hymne. Während die deutschen natürlich mal wieder nicht den Text konnten (inc. mir), haben die Peruaner laut und fröhlich ihre Hymne gesungen. Aber das wird jetzt nach der Fußballweltmeisterschaft natürlich alles ganz anders.

CREATIVE ARBEITEN

Die Armut führt hier zu rech außergewöhnlichen „Arbeitsplätzen“. Angefangen von den Bus-Informanten oder besser den Zeitmessern (Informante de frecuencia). Er informiert den Fahrer über den Zeitabstand zum vorausfahrenden Combi (Kleinbus) der gleichen Route. Und erhält pro Zeitinfo ein kleines Entgelt. Je nach dem Abstand und Personenanzahl im Bus, wird dann die Geschwindigkeit des Busses schneller oder langsamer.

Ich bin irgendwann mal aus dem Bus ausgestiegen, weil der sooooooooooo unglaublich langsam gefahren ist. Die Konkurrenz fuhr kurz vor ihm und hat ihm die Fahrgäste sozusagen vor der Nase weggeschnappt hat. Das der Bus dann langsamer fährt ist allerdings die besserer Variante. Es gibt auch die Variante "Wettrennen". Die ist dann echt lebensgefährlich und man sollte besser aussteigen.

Interessant ist allerdings die Unterhaltung zwischen dem „Zeitmesser“ dem „Fahrer“ und dem „Schaffner“(Cobrador). Völlig verschlüsselt brüllen sie Nummern und sonstige Wörter hin und her. Ich habe inzwischen> herausgefunden das „plomos“ (plomo ist blei)Fahrgäste sind die bis zur Endhaltestelle als Ballast mitfahren. Wer mehr noch mehr zum Bus fahren lesen möchte - für alle die einen Besuch planen unerlässlich - dem sei Susannes Geschichte "Esquina bajaaa "!!!! empfohlen.

Ansonsten trägt die Armut hier natürlich die klassischen fliegenden Händler hervor die Zeitungen, Süßigkeiten etc. verkaufen. An die bettelnden Kinder kann ich mich allerdings immer noch nicht gewöhnen. Dann gibt es noch Frauen die vor den Krankenhäusern warten und Wäsche der Kranken waschen.

Oder wie man auf dem Foto sieht „lebende Werbung“. Am Sonntag werden hier die Bürgermeister der eimnzelen Stadtviertel gewählt, dann tritt da "Ley Seca" in Kraft: "Das trockene Gesetz". Alkohlauschank ist einen Tag vorher und während des Wahltages verboten. Interessant ist, dass die Restaurants und Bars an diesen Tagen leer bleiben. Colerin, Colorado este cuento se ha acabado.

Ich habe mein Arbeitsvisum ....!!!!!!!!!!!

The never ending story hat ein Ende. Ich kann es kaum fassen. Zum Schluss musste ich mich noch bei Interpool registrieren lassen. Aber das war mir alles egal und ich bin nun stolze Besitzerin eines "Carné de extrajería" (Ausländerausweiß).

Ich hatte bei diesem ganzen "Tramite" immer das Gefühl, wenn ich kurz vor dem Ziel war und mir eingebildet habe ich hätte das System verstanden, haben sie schnell ein großes Schild hervorgeholt mit der Aufschrift: "NEUE REGEL" - Gehen sie sofort an den Start zurück, gehen sie nicht über LOS, ziehen sie keine 4000 EUR ein. Und noch mal. Es war frustrierend.

Das abstruse an der Geschichte war, dass ich keine Zeit mehr hatte nach Chile auszureisen um mein Visum abzuholen. Auch so eine unlogische Regel, dass man sein Visum nur in einem anderen Land abholen kann. Die einzige Ausnahme ist ein ärztliches Attest, dass meine Reiseunfähigkeit bescheinigt. Das Attest habe ich dann bei bester Gesundheit persönlich abgegeben um dann gleich die Spezialerlaubnis mitzunehmen in drei Tagen putzmunter nach Nicaragua auszureisen. Diese Schizophrenie hat keinen gekümmert. Aber wie heißt es so schön: Ende gut alles gut!