Sonntag, 26. April 2009

Unglück

Vor über einer Woche ist die Familie von Jorge dem Tod entkommen. Als die Familie schlief, ist ihr Haus mit all ihrem Hab und Gut niedergebrannt. Seine Nichte hat schwere Brandverletzungen erlitten.

Sie haben zu siebt in seinem Haus gelebt. Er, seine Frau mit drei Töchtern und eine Schwester mit ihrer Tochter. Seine Frau und Töchter konnten gerade noch dem Feuer entkommen, aber seine 14-jährige Nichte Katy hat schwere Brandverletzungen erlitten. Alle sind mit einem Schlag obdachlos. Wofür Jorge ein Leben lang hart und fleißig gearbeitet hat, ist verloren.

Jorge, ist seit 20 Jahren der Nachtwächter im Haus von Freunden. Als Jorges Frau morgens um 4.00 Uhr angerufen hat, hat er bis zur Ablösung morgens gewartet. Erst dann ist er nach Hause gefahren. Jorge ist nicht aus pflichtbewusst geblieben. Er hatte schlichtweg Angst, wenn er geht, seinen Job nach 20 Jahren zu verlieren. Ein Mensch der 20 Jahre jeden Tag seine treuen Dienste für alle Menschen in diesem Hochhaus leistet, zudem pünktlich, hilfsbereit und ehrlich ist, hat bei so einem Schicksalsschlag Angst um seinen Arbeitsplatz? Das ist bedrückend und zeigt das starke Abhängigkeitsverhältnis dieser einfachen Angestellten.

Brandstiftung
Die Familie geht davon aus das es sich um Brandstiftung handelt. Seine Ehefrau war unbequem geworden, sie hatte in der Gemeinde Verantwortung übernommen und Geld verwaltet. Vielen war es lästig, dass sie Belege für alles Geld haben wollte. Die Vorgängerin wurde auch schon bedroht, trotzdem hat seine Frau diese Aufgabe übernommen. Jorge will das nicht laut sagen, weil er Angst hat, dass sie dann bedroht werden. Natürlich ist von Feuer-Versicherung keine Spur, in einem Land wie Peru.

Hilfe
Elgin, die eine der Bewohnerinnen des Hauses ist, versucht nun seit einer Woche Unterstützung für die Familie aufzutreiben. Nicht nur finanziell, sondern auch wenn es um die medizinische Versorgung von Katy geht, denn zuerst wurde die Kleine im Spezialkrankenhaus für Brandverletzungen abgewiesen. Sie ist nun außer Lebensgefahr aber sie wird Haut-Transplantationen brauchen, wenn der verkohlte Arm wieder gesund werden soll. Die Hausmädchen haben auch schon eine Spendenaktion gemacht, die zwar keine riesen Summe eingebracht hat, da sie selber kaum etwas verdienen, aber die Solidarität hat Jorge schon wieder ein bisschen aufgebaut.

Spende
Diese Menschen haben keine Versicherung und auch kein Netzwerk an Menschen die ihnen etwas leihen können. Hilfswerke spenden nicht für Einzelfälle, das ist nicht nachhaltig. Ein Spende kann dieser Familie aber wieder ein Dach über den Kopf geben, kann Katy eine Hauttransplantation ermöglichen und den drei Töchtern ihre Schul- und Ausbildung fort zu setzen, damit sie einmal ein besseres Leben führen können.

Wer mithelfen kann und möchte diese Familie zu unterstützen, kann auf mein Konto jeglichen Betrag spenden. Ich werde das Geld persönlich an diese Menschen weiter geben und Euch auch berichten wie es mit Jorge und seiner Familie weiter geht.

DKB - Deutsche Kreditbank Berlin
BLZ 120 300 00
Kontonummer 16141384


Herzlichen Dank!!!

Samstag, 18. April 2009

Kurz vor dem Durchbruch

"Peru ist eine Möhre und wir der Esel". So hörte ich es gestern von zwei jungen Forschern, die seit drei Jahren in Peru leben.

Sie sagen Peru bietet soviele Möglichkeiten und man hat immer das Gefühl kurz vor dem Durchbruch zu stehen; immer wieder. Nur leider zerplatzt in letzter Minute dann doch immer der Durchbruch. Also gut, auf zum nächsten Durchbruch der ja schon ganz in der Nähe ist also schon in Sichtweite. Bis auch dieser zerplatzt und wieder geht es auf zum nächsten Durchbruch immer mit dem Geruch des baldigen Erfolges in der Nase.

Ich konnte mich sofort mit diesem Bild anfreunden. Es ist ein Land im Aufbruch, ein reiches Land an Kultur, Bodenschätzen, Menschen und manchmal hat man tatsächlich das Gefühl, dass das ganze Land kurz vor dem Durchbruch steht. Und warum zerplatzen soviele gute Projekte? Warum ist der Durchbruch immer so weit weg? Das bleibt das Geheimnis dieses Landes. Nur ihr Optimismus ist nicht zu bremsen: "No se preocupen - hay siempre solución" (Machen Sie sich keine Sorgen - es gibt immer eine Lösung).

Donnerstag, 16. April 2009

Strandsaison

Ab Weihnachten beginnt die Strandsaison in Lima. An den Wochenenden ist es dann in Lima ruhig. Die Limeños machen sich jedes Wochenende auf zum Strand. Manche Familien verbringen auch die ganze Sommerzeit im Strandhaus und pendeln nach Lima zum arbeiten und für die Schule.

Wer sich kein Strandhaus leisten kann fährt am Wochenende in Lima zum Strand entweder direkt in der Stadt nach "Barranco" wo man wie die Ölsardinen an einander liegen, die Kochtöpfe mit essen mit gebracht werden oder an die etwas nobleren Strände wie "Silencio" an denen man seine Ceviche direkt an seinen Strandplatz serviert bekommt.

Über Ostern mache auch ich mich mit ein paar Freunden auf ins Strandhaus. 10 Leuten haben dieses Haus für die ganze Saison gemietet. Ich habe das Glück es am letzten Wochenende der Saison auch mit genießen zu dürfen. Man fährt knapp 45 Minuten aus Lima raus, auf einem Highway der in der Sommersaison rechts und links zugepflastert ist mit Werbeplakaten in unvorstellbarer Größe, Formen und Scheußlichkeit.

Nach einer Hühnerfarm mitten in diesem sandigen Wüstengebiet, biegen wir ab in die Residencia. Die Wächter begrüßen uns sehr freundlich. Und auf einmal tauchen wir ein in eine ganz andere Welt: grün, ruhig, geordnet, schön und sicher. Die Architektur der Häuser mit viel Glas und Holz, alles hell und freundlich. Die Kinder spielen auf den Wegen, die Häuser sind alle offen, keiner schließt hier ab, keiner verriegelt hier seine Tür.

Aber da ist wie immer noch die andere Seite. Die Sicherheit gibt es nur weil ein großer Zaun und die Wächter hier sind. So geordnet ist es, weil ein "Wächter" auch darüber wachen ob jemand mal wieder seine Handtücher über die Veranda zum trocknen gehangen hat. Das ist verboten, weil es das einheitliche schöne Bild stört. Immer schön den Schein waren. Dann die Hausangestellten die wie auch am Strand "Asia" tagsüber nicht baden dürfen. Das ist mal wieder die Seite der Diskrimination.

Diese Gegensätze lassen sich wohl nicht so leicht aufheben. Es waren ein paar schöne Tage. Wir haben gelesen, gelacht, gegessen, sind am Strand spazieren gegangen nur diese Diskrimination geht mir nicht so richtig aus dem Sinn. Hier ein paar Bildeindrücke von der Idylle:


Strandresidencias in der Nähe von Chilca


In der Hängematte liegend hat man zur rechten Berge, zur linken das Meer


Wellengang


Da die Strandsaison zu Ende ist wird noch einmal kräftig Werbung gemacht - auch per Flugzeug. In diesem Fall für die Reiseagentur im Supermarkt Wong.


Auch der Osterhase hat eine Runde im Ferienparadies gedreht.

Dienstag, 14. April 2009

Fruchtiger Sprachmix - Surtido peruano

"Möhren" sind Langeweiler, "Ananasse" Menschen die nie Glück haben und ein einfaches Examen ist "Papaya". Alles klar?

Hier eine kleine Auswahl aus der nicht nur fruchtigen, sondern auch gemüsig-landwirtschaftlichen Sprache der Peruaner. Sozusagen ein "Surtido" (Surtido heißt "Auswahl" und wird in der Regel für einen Saftmix
-jugo surtido- verwendet):

Fresa / Erdbeeren
De frente, derecho / Después de esa avenida, sigues “de fresa” hasta la casa verde.
Geradeaus / Nach dieser avenida, folgst du der Straße „de fresa“ (geradeaus) bis zum grünen Haus.

Mango / Mango - Tener la sartén por el mango
Relativo al dinero. Me quedo sin un mango en el bolsillo por ir al concierto.
"Synonym" für Geld / Ich habe nicht mehr eine “Mango” in der Tasche um auf das Konzert zu gehen.

Und was hat jetzt die Pfanne (sartén) mit der Mango zu tun? "Tener la sartén por el mango".
Das bedeutet am längeren Hebel sitzen. El Mango bedeutet nämlich eigentlich "Stiel", in diesem Fall wohl eher Pfannenstiel.


Manzana / Apfel
So heißt hier ein Häuserblock (eher argentinischer Ausdruckebracht der von den Spaniern mitgebracht wurde), der in der Regel 100x100m misst. "Manzana" ist aber auch ein Flächenmaß in Centroamerica: 1 manzana = 7000m². Der "manzana de la discordia" hingegen ist der Zankapfel.

Palta / Avocado - No te hagas paltas
Palta ist ein Word das aus der Quechua-Sprache kommt und in Peru für Avocado benutzt wird (spanish eigentlich = aguacuate).

Vergüenza - Se me rompió el pantalón en el baile. -¡Qué palta!
Peinlich – Ich habe mir beim Tanzen die Hose kaputt gerissen. Wie peinlich!

“Hacerse paltas”, hingegen bedeutet die Dinge zu verkomplizieren oder sich seine eigenen (unnötigen) Probleme machen. "No te hagas paltas" wird benutzt für: Mensch, mach dir mal keine Probleme.

Paja / Stroh
Bueno, bonito, excelente / Quiero comprarme un pantalón paja.
Gut, toll, ausgezeichnet / Ich möchte mir gerne eine „paja“ (tolle) Hose kaufen.

Papaya / Papaya
Fácil, sin dificultad / El examen estaba papaya para todos.
Einfach, ohne Schwierigkeiten / Das Examan war “Papaya” (einfach) für alle.

Piña / Ananas
Se les llama así en el Perú a quienes no tienen suerte. Que piña!
Piña wird wiederum für Menschen ohne Glück benutzt. Que piña! = Pech gehabt!

Sapo / Frosch
Individuo listo, alerta / Walter es bien sapo, siempre consigue que las chicas paguen su entrada.
Cléver / Walter ist ein „Frosch“, immer schafft er es, dass die Mädels seinen Eintritt zahlen.

Yuca / Yuca oder Maniok
Difícil, poco probable / Está yuca sacarse el premio son muchos participantes.
Schwierig, wenig wahrscheinlich / Es ist “Yuca" den Preis zu gewinnen, denn es gibt viele Teilnehmer.

Zanahoria / Möhre
Sin vicios, cándido = Pablo no fuma, ni toma y siempre se va temprano. Es una zanahoria.
Ohne Laster, arglos = Pablo raucht nicht, trinkt nicht und geht immer früh nach Hause – Er ist ein „Möhre“.

Weiteren - nicht nur fruchtigen - "Jerga" (Slang) gibt es auch unter http://www.elbuscapersonas.com.pe/jergas/jergasperuanas10.htm

Mittwoch, 8. April 2009

Und es wurde Recht gesprochen

Dienstag 07.04.2009, 9.00. Unser ganzes Büro sitzt gespannt vor dem Fernseher. Drei Stunden lang haben wir der Urteilsverkündigung des Ex-Präsidenten Fujimori zugehört.

Der frühere Staatschef (Amtszeit 1990-2000) wurde in einem Mordprozess in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen und zu 25 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht, das 16 Monate lang verhandelte, hat Fujimori einstimmig für folgende Taten zur Rechenschaft gezogen:
  • Die Entführung eines Journalisten und eines Unternehmers. Beide wurden vom Geheimdienst festgehalten und gefoltert.
  • Die Ermordung von 15 Menschen während einer Feier im Jahr 1991 als mutmaßliche Terrorristen.
  • Die Ermordung oppositioneller Studenten und Professoren im Jahr 1992.
Nichts desto trotz spaltet Fujimori das Land. Zahlreiche „Fujimoristas“ haben gestern gegen das Urteil demonstriert, an der Spitze seine Tochter Keiko Fujimori die sich 2011 als Präsidentin zur Wahl stellen wird.

Die Einen sagen Fujimori hat uns den Frieden gebracht, da er den Anführer des Sendero Luminoso Abimael Guzmán gefangen genommen, sowie die Hyperinflation aus der ersten Amtszeit Alan Garcias bekämpft hat. Außerdem hat er vor allem Schulen und Straßen in abgelegenen Regionen gebaut. Die Anderen sagen er ist ein Diktator, er entließ ihm missgünstige Richter, verfolgte kritische Journalisten, sterilisierte Frauen in den Anden zur Regulation der Nachkommenschaft ohne ihr Wissen und war im höchsten Maße korrupt.

Hat Fujimori eine Chance mit der angekündigten Berufung? Und wie lange wird er wirklich sitzen? Tatsächlich 25 Jahre? Was passiert wenn seine Tochter 2011 Präsidentin wird? Was passiert wenn Fujimori Alan Garcia, den jetzigen Präsidenten, mit seinem Wissen über die Taten Garcias während der Zeit des "Leuchtenden Pfandes" (der Zeit der ersten Präsidentschaft Garcias), unter Druck setzt?

All das wird diskutiert. Und es ist sicher, dass noch mehr Prozesse folgen werden, denn Fujimori wird Berufung einlegen und es stehen zwei weitere neue Prozeße wegen Korruption aus. Wichtig ist zunächst das Urteil als historisches Ereignis. Die Angehörigen der ermordeten haben mit dem Urteil auch das erste Mal bestätigt bekommen, dass die Opfer keine Terroristen waren. Sie haben das erste Mal das Gefühl es ist Recht gesprochen worden. Dafür haben sie 17 Jahre gekämpft und haben nicht nur für sich und die Opfer Recht erkämpft, sondern auch das Recht auf Demokratie für die peruanischen Gesellschaft.

Und auch das wir dies im Büro zum Anlaß nehmen gemeinsam Ceviche zu essen, ist ein Zeichen dafür, dass dies ein ganz besonderer Tag für die Peruaner ist. Viva la democracia!

Samstag, 4. April 2009

Flaschenrecyling

Wie viele Flaschen ich wohl schon in meinem Peru-Leben in den Müll geschmissen haben? Es sind unzählige und im Zweifelsfall mehr als ich in meinem Deutschland-Leben bisher verbraucht habe.

In Deutschland kaufe ich zum trinken Wasser in Glasflaschen und zum Teekochen nehme ich Leitungswasser. Hier kommt sowohl mein Trink-als auch Kochwasser aus der Flasche. Denn obwohl das Wasser hier sehr stark gechlort ist habe ich kein besonders großes Vertrauen in das Leitungswasser. Was da wohl noch so an Schwermetallen aus der ganzen Minenproduktion unsichtbar mitschwimmt? Und die ganzen Bakterien die meinem Magen eh schon zu schaffen machen?

Also gehe ich leider auf Nummer sicher und trinke nur Wasser aus der Flasche. Während meine Flaschen nur manchmal wieder nachgefüllt werden, landen die meisten im Mülleimer. Die Peruaner sind hingegen viel einfallsreicher und verwenden die Flaschen sehr gerne als Blumentopf, Wasserleitungen, Vogeltränke etc. Hier ein kleiner Überblick über Recylingmöglichkeiten einer Plastikflasche:

Hier sind mehrere Flaschen als Leitung zusammengebaut.
Diese werden auf dem Land gerne als Wasserleitungen benutzt.


Der Klassiker auf dem Dach um die Metallgestänge
an den halbfertigen Häusern vor Regen und Korrosion zu schützen.


Ein Brunnen und wo sind hier die Flaschen?


Mit den Flaschenböden wurde das Muster
in den Brunnen gedrückt. Raffiniert, oder?


Als Vogeltänke auch sehr praktisch


Und gleich daneben auch als Futterhalter im Vogelkäfig


Und auch als Blumenvase auf dem Friedhof sehr begehrt.

Und es gibt noch viel, viel mehr Möglichkeiten......

Sonntag, 8. März 2009

Ich packe meinen Koffer .....

Koffer von Freunden: Deutschland - Peru.
Wichtig ist natürlich DIE ZEIT, brand eins sowie HARIBO und Schokolade!!!
Gelegentlich kommen noch Zahnbürstenköpfe sowie nicht schäumende Zahnpasta etc. hinzu.


Koffer bei der Abreise: Lima - Deutschland.
Gefüllt mir peruanischen Souvenirs, Baby-Alpaka Pullovern, Textilien etc. Leider fehlt ein Foto meines eigenen Koffers der zumindestens im letzen Jahr neben kleinen Geschenken 3 Flaschen Pisco, 2 Flaschen Jarabe (flüssiger Zucker), ein grosses Netz Limetten und eine Limetten-Presse zum mixen vom Pisco Sour enthielt. Dieses Jahr musste aldies leider zu Hause bleiben, da ich nur 20kg Gepäck mitnehmen durfte.

Wahrscheinlich könnte man so eine ganze Serie an Fotos gestalten mit den Entbehrungen der im Ausland lebenden Deutschen. Es gibt natürlich auch einmal im Jahr die Möglichkeit über die deutsche Botschaft wichtige Dinge wie Waschpulver, Bier und andere Dinge zu bestellen die man vermissen könnte. Ich habe davon noch nie Gebrauch gemacht habe ich doch meine treuen Besucher die vieles mitbringen.

Sonntag, 8. Februar 2009

Umgang mit Fehlern - Vier Kulturschubladen zum sortieren und umsortieren

So lass ich es über Brasilianer und Chinesen im Wirtschaftsmagazin brand eins im August 07:

Die Brasilianer
Interessieren sich nicht für Regeln oder Analysen. Und Fehler? Kennen sie nicht. Die Brasilianer machen keine Fehler. Das lässt ihre Sprache nicht zu. Es gibt „Omnissão“ die Unterlassung und „faha“ den technischen Defekt, „juizo falso“ die Fehleinschätzung und „ero humano“, das menschliche Versagen…

Die Chinesen
Sorgen mit ihrem Sozialkodex dafür, dass Fehler nicht mit Spott und Demütigungen bestraft werden. Das kann zu konstruktiver Kritik führen. Oder zu noch mehr Fehlern….

Die Deutschen
Treffen gerne Entscheidungen, aber lernen sowohl die Fehlerkonsequenzen abstrakt einzuschätzen als auch die Konsequenzen zu übernehmen.

Die Peruaner
Nach meiner Erfahrung kennen sie das Wort „error“ (Fehler) sehr gut und ein beliebtest „Spiel“ ist „echar la culpa“ (die Schuld auf einen anderen schieben). Manchmal habe ich den Eindruck, dass jeder froh ist nicht selber einen Fehler gemacht zu haben und deshalb die Fehler der andern noch mal betont.

Diese Woche hatte ich mal wieder ein Beispiel dafür, als die Druckerei nach erteilter „Order „und Bezahlung von 50% des Auftrages der Meinung war sie müsse den Kostenvoranschlag neu berechnen, weil ich eine Änderung gewünscht hätte. Nach 20 Minuten Diskussion habe ich irgendwann zu der Bearbeiterin gesagte, sie solle jetzt doch einfach eingestehen sie hätte einen Fehler gemacht und nicht versuchen mir den Fehler in die Schuhe zu schieben und eine angebliche Änderung meinerseits aus dem Hut zaubern. Der Geschäftsführer gab mir dank gut aufbewahrter emails glücklicherweise Recht und der Kostenvoranschlag wurde beibehalten.

So sehr wie mich das Verhalten der Bearbeiterin geärgert hat, glaube ich, dass dahinter die Angst der Menschen steht ihren Job zu verlieren oder Fehler selber – mit ihrem eigenen Gehalt - bezahlen zu müssen. Einmalige Fehler werden nicht unter „passiert halt“ abgehackt mit dem Hinweis nächstes Mal besser machen sondern müssen sehr häufig selbst bezahlt werden. Die Folge ist, dass man lieber keine Verantwortung übernimmt und so wenig wie möglich macht, denn dann kann man auch keine Fehler machen. Scheitern ausgeschlossen. Das Resultat? Keiner ist Verantwortlich, keiner trifft Entscheidungen und die Dinge bewegen sich nur schleppend. Und das spiegelt sich leider auch hier im Land wieder. Die Angst etwas falsch zu machen, dafür bestraft zu werden lähmt hier viel.

Das ist jetzt natürlich für jedes Land eine „Kultur-Fehler- Schubladen“. Wohl wissend, dass auch diese Schubladen fehlerhaft sein können und das in jedem Land eine Bandbreite von Menschen mit verschiedenen Verhaltensmuster leben. So werde ich in Peru sowohl die für mich klassischen chinesische, brasilianische und deutsche Fehlerkultur finden.

Glücklicherweise habe ich den letzen Jahren gelernt erstmal eine Kulturschublade auf zu machen um diese ganzen gesammelten Erfahrungen zu sortieren und zu kategorisieren. Wichtig ist es die Fähigkeit, fehlerhaft gepackte Schubladen um zu packen und auch zu akzeptieren das es verschieden Schublade und somit verschiede Möglichkeiten im Umgang mit Fehlern gibt. So wie der Rheinländer gerne sagt. „Die Welt ist bunt“ und „Jeder Jeck ist anders“.

Dienstag, 6. Januar 2009

Nebelgrenze in Lima

Heute bei meinem Rückflug von Cusco nach Lima konnte ich das erste Mal die Nebelgrenze in Lima klar und deutlich von oben sehen. Auch wenn gerade Sommer ist und das Wetter sehr schön, der Nebel zieht auch jetzt manchmal über die Stadt und das was ich sonst nur von unten wahrnehme - die Nebelgrenze - konnte ich diesmal von oben sehr schön sehen.

Hier sieht man wie sich der Nebel vom Meer her über einen Teil der Stadt niederlegt.


Und hier sieht man klar und deutlich die Nebelgrenze. Rechts die Stadtteile liegen unter Nebel und der Rest der Stadt ist nebelfrei.

Montag, 5. Januar 2009

Inka-Stätte: Choquequirao

Weihnachten habe ich dieses Jahr mit Freunden in Cuzco verbracht. Eine immer wieder faszinierende peruanische Stadt; reich an Inka- aber auch an spanischer Kolonialgeschichte. Mit seinen roten Dächern erinnert mich die Stadt immer an Italien. Leider zermaterte mich die ersten 5 Tage eine zähe Soroche (Höhenkrankheit), so dass ich recht matt, müde und vor allem permanente Kopfschmerzen hatte.

Nach Weihnachen ging es dann endlich raus in die Berge. Unser Ziel hieß Choquequirao. Die Inka-Stätte, die wie Machu Pichu auf einem Bergkamm liegt, ist Teil eines komplexen Systems von Inkastädten im Vilcabamba-Tal. Der Ruinenkomplex ist ca. 1800 Hektar groß, aber ist in großen Teil noch nicht freigelegt. Zu Zeiten der Inkas war Choquequirao mit Machu Pichu verbunden und hatte große wirtschaftliche, strategische und religiöse Bedeutung für Cusco. Da die Inka - Stadt lange Zeit vergessen war und kein ursprünglicher Name überliefert ist entstammt der Name der Quecha-Spache; ist aber eine Schöpfung der Neuzeit und bedeutet soviel wie "Wiege des Goldes".

Zunächst geht es mit dem Bus nach Cachora einem kleinen Dorf 160 km von Cusco entfernt. Von hier startet ein 31 km langer Wanderweg nach Choquequirao. 31 km hört sich nicht viel an, aber die Stätte liegt auf 3085 m und auf dem Weg geht es 1500 Höhenmeter steil abwärts und nach der Flussüberquerung 1500 Höhenmeter steil aufwärts. Daher werden in Cachora Maulesel angeboten die das Gepäck tragen, denn Zelt, Schlafsack, Isomatte, Essen, Kocher sind Grundvoraussetzung. Auch wenn inzwischen einige Familien, die in dem Gebiet wohnen kochen ist es ganz ratsam ein paar Suppen etc. mit zu nehmen. Denn wenn man Pech hat ist die cocinera (Köchin) gerade nicht da oder es gibt gerade kein Feuer auf dem man kochen kann, oder, oder, oder.

Ein paar Bildeindrücke:

In diese Schlucht müssen wir runter


Abendliches Zelt aufbauen

Choquequirao von ferne, der untere Teil ist gut zu erkenennen, aber es gibt auch noch einen oberen Teil der zwischen den Wolken nur schemenhaft zu erkennen ist.


Choquequirao "Oberer Teil" von oben


Und hier werden für uns selbstgemachte Nudeln gezaubert



Cachora - eine Stadt verändert sich mit dem Tourismus
Seit 2005 ist der Weg nach Choquequirao geöffnet. Früher haben in Cachora alle von der Landwirtschaft gelebt, heute lebt ein Grossteil der Menschen vom Tourismus. Ein Verein der Arilleros (die Maulessel-Treiber) wurde gegründet. Heute, so erzählt uns ein Arillero kaufen die Leute lieber einen Maulesel als eine neue Kuh. Ein Maulesel kostet 1500 Soles bringt aber pro Tag Gepäck tragen 20-25 Soles (ca 6 EUR) und der Maulesel Treiber bekommt noch einmal genauso viel.

Die Touristen werden immer mehr. Wir sind in der Nebensaison - der Regenzeit - da. Nichts desto trotz laufen jeden Tag Gruppen hoch. Neue Hostels entstehen, aber interessanterweise gibt es noch kein Internetcafe und nicht mal mein Handy hat Empfang. Ich finde es Klasse! 7 Tage ohne Internetverbindung und Telekomunikation.

Von Individual- bis Kolonialreisender ist hier alles vertreten
Die Tour ist eigentlich für 4 Tage ausgelegt, aber wir haben Zeit, habeb keine Lust uns zu hetzen und wollen auch mind. einen ganzen Tag Choqaquirao erkunden. So haben wir uns 7 Tage Zeit genommen und treffen so den ein oder anderen "schnellreisenden" auf der Tour ein zweites Mal. Während mein Gepäck vom Maulesel getragen wird, schleppt meine Mitstreiterin Diana ihr Gepäck selber nur Gaskocher und Zelt werden noch vom Maulesel getragen.

Wir treffen auf unserem Auf- und Abstieg ein buntes Poutpouri an Menschen. Da sind die beiden jungen Russinnen die sich morgens erstmal die Nägel feilen (das Make-up lassen sie glücklicherweise weg) mit ihrem privaten peruanischen Führer der ihr Gepäck schleppt; der 60-jährige Holländer mit seiner peruanischen Frau die zu Pferde und einer ganzen Heerschar von Küchenleuten und Trägern reisen; der Engländer der bis Machu Pichu will und zwei Eseltreiber mit hat; Mischa der Individualreisende der seit 20 Monaten reist und seinen Rucksack selber schleppt; die beiden jungen peruanischen Journalisten die mit leichtem Gepäck in zwei Tagen hoch rennen zu Sylvester einen „pago a la tierra“ (Feuer mit kleinen Opfergaben an die Götter) machen und in einem Tag in 14 Stunden wieder runter rennen (manche Menschen haben einfach zuviel jugendliche Energie). Sie Inka-Stätte ist also für viele Menschen reizvoll trotz anstrengender Anreise.

Glücklich und zufrieden kommen wir nach 7 Tagen also wieder in Cachora an, essen abends noch Pollo con papa (Huhn mit Kartoffeln) für 3 Soles (90 Cent), wobei man ehrlicherweise sagen muss das es sich mehr um hueso (Knochen) als um ein pollo frito (frittiertes Huhn) handelte. Und treffen auch hier wieder neue Gruppen die sich am nächsten Tag auf den Weg zur Inka-Ruine machen.

Zurück in Cusco kommt mir die Stadt ganz schön groß vor, wie wird das wohl in Lima werden?