Samstag, 9. August 2008

Von Anden, Flöhen und Kartoffeln

Es ist mal wieder soweit die Fiestas patrias, die Unabhängig seit 1821 wird gefeiert. Lima liegt still, es ist wie Weihnachten alle Firmen haben geschlossen nur die Supermärkte und natürlich auch der BIO MARKT haben noch auf, um sich für die Festtage mit Köstlichkeiten ein zu decken.

Heute mal ein Foto-Urlaubs-Blog fast ganz ohne interkulturelle, politische oder soziale Hintergründe. Und so beginnen auch wir die Feiertage in Lima auf dem BIO MARKT.

Nach einem anstrengendem Einkauf erstmal einen großen frisch gepressten Saft. Mhhh!

Zu Hause angekommen wird unsere erstandene Beute drapiert: Kartoffeln, Ollucos, Yukas...

Maracuyá, Grenadine, Pflaumen, Pitahaya, Lucoma, Karamole, Mamey, Baumtomate.... Und das müssen wir jetzt alles noch essen bevor wir auf reisen gehen. Mhhhhhmmm!

HUANCAYO
430.000 Einwohner, Hauptstadt des Bezirkes Junín, liegt 250 km östlich Limas in den Anden auf 3259 m.ü.M.

Und am nächsten Tag sitzen wir schon im Bus richtig Huancayo: Das sind ja schöne Aussichten.

Der Blick aus unserem Hostal

LANDWIRTSCHAFSMESSE IN HUANCAYO
Und dann gleich zur landwirtschafltichen Messe. Wie gut das ich mit Eva, auch einer Diplom-Bäuerinn, reise welche die Faszination für Schafe, Lamas, Kartoffeln etc. teilt. Auf dem Foto sieht man wie "Pachamanca", ein traditionelles Andengericht, zubereitet wird.

Eigentlich gräbt man ein Loch in den Boden (aber auf so einer Messe ist man da eben mal flexibel und macht das ganze oberirdisch) und entzünden dort ein Feuer, in dem große flache Steine erhitzt werden. Wenn diese so richtig heiß sind schichtet man Kartoffeln, Fleisch, (Ziege, Schwein oder Hühnchen) Mais, Bohnen etc. zwischen die heißen Steine. Dann wird es zugeschüttet und ca. 2 Stunden lang in der Erde gekocht. Leider hatten wir zuvor schon gegessen :-(.


Zuchthamster (cuys) dürfen natürlich nicht auf einer peruanischen Messe nicht fehlen. Da gibt es genau solche Abstammungslinien wie bei Kühen, Schweinen, Schafen etc. Nicht umsonst ist "cuy" hier ein Nationalgericht.


Und dann das was wir schon lange gesucht haben: Kartoffel, Kartoffeln, Kartoffeln!!!!! Eine Auswahl ohne Ende. Hier kaufen wir dann auch ein um später, zurück in Lima, ein kleines Verkostungsessen zu machen. Dafür müssen wir allerdings die nächsten Tage 3 kg Kartoffeln mit auf unsere Fahrt nehmen.


Weitere Knollenfrüchte: Die sind süß und haben bei unserem ersten Testessen nicht so richtig gut abgeschnitten.


WANDERN IN HUANCAYO

Jetzt endlich raus in die Natur: Wandern auf 4.500 m, da ist das Atmen mal wieder schwer. Puh!! Uff!! Geht alles nur ganz langsam. Immer schön Pause machen.

Aber die Aussicht belohnt einen mit einer bizarren Landschaft


Und hier noch was fürs Auge

Endlich ist die Lagune in Sicht, wir allerdings auch ein bisschen Höhenkrank (Soroche)

Und schon zieht der Nebel auf. Wir halten dann auch nur die Hände, anstatt den ganzen Körper ins Wasser. Das soll nämlich das Unglück vertreiben. Auch die einheimische Bevölkerung zieht an diesen Ort um rituellen Gebräuche zu feiern.


CHUPALCA

In Chupalca sind wir 15 Minuten entfert von Huancayo auf dem Weg nach Yauyos gestrandet. Es fährt es morgen wieder ein Bus.


Nach längerer Hostal suche - das ist in den provincias manchmal nicht so leicht, denn es gibt häufig nur kaltes Wasser **brrr**, Flöhe und einfach nur ungemütliche kalte Zimmer - bestellen wir in der Bäckerei einen "Capuccino". Die junge Verkäuferin guckt mich nur ungläubig an. Ich zeige ihr dann auf der Speisekarte: "Café Capuccino". Ein lautes "Ahhhhh" entfährt ihr und sie sagt mit einem Unterton von "warum ich das denn nicht gleich gesagt habe": "Café" und lächelt. Danach sieht man drei junge Mädchen aufgeregt zwei Capuccinos vorbereiten. Wir sind schon ganz gespannt. Und das ist das Ergebnis. We proudly present:


Normaler Cafe gesüßt mit einer großen Sahnehaube und diese auch stark gezuckert. Stolz präsentieren sie uns den Capuccino. Wir sind ehrlich gesagt ganz gerührt wie liebevoll sie ihn zubereitet haben und versuchen ihn auch auszutrinken, aber ganz schaffen wir es leider nicht.

Lebensmittelhygiene? Zwei frisch geschlachtete Schweine mitten in der Sonne:

YAUYOS
Hauptstadt des Bezirkes Yauyos ca. 2900 m.ü.M.

Am nächsten Morgen geht es dann los nach Yauyos. Der Bus ist vollbepackt. Nicht nur mir Peruanern sondern auch mit Säcken von Knoblauch, Zwiebeln, Weizen etc.


Und jetzt bleiben wir auch noch mit dem Bus liegen. Und das auf sonnigen aber kalten 4.300 m. Aber wie man sieht die Laune ist gut.


Wir haben dann den erst besten Lastwagen angehalten, der uns bis nach Tinco auf "nur" noch 4050 m mit nimmt.

Wir schaffen es tatsächlich mit dem nächsten Bus noch am gleichen Tag bis Yauyos. Allerdings war die Busfahrt sehr spektakulär. Ein großer Bus, vollbepackt von innen und außen, eine enge, kurvenreiche nicht asphaltierte Straße und vor allem ein tiefer Abgrund. Und wir ganz vorne mit bester Aussicht auf jeden Abgrund. Aber es gab auch einen Busfahrer der starke Nerven und ein gutes Augenmaß hat.



Hier unsere spartanische Unterkunft in Yauyos, die mir mal wieder eine Reihe Flohstiche eingetragen haben und natürlich gab es auch nur kaltes Wasser.


Aber die Landschaft entschädigt uns mal wieder

VIÑAK
Nachmittags geht es dann mit einem neuen Bus weiter Richtung Viñak, einem kleinen Andendörfchen. Dort lassen wir es uns gut gehen.


Und während die einen hart Arbeiten ....


...schmausen die andern feudal (wir in diesem Fall)
Ehrlich gesagt besser kann man die Situation in Peru gar nicht charakterisieren.


KARTOFFELTESTESSEN, LIMA

Und zurück in Lima, werden endlich die Kartoffeln gekocht, getestet und verspeist. Fünf Sorten (in einer Schale liegen zwei Sorten) haben wir getestet: Huamantanga, Santa Domingo, Huayru Macho, Piña, Camotillas. Und wer war gleich nochmal der Gewinner? Ich glaube es war "Huayru Macho".


Na dann Prost!

Fotos diesmal zum größten Teil von Eva Milz :-). Danke!

Freitag, 18. Juli 2008

Ayacucho I: Faszinierende Landschaft und grausame Vergangenheit

Ayacucho liegt auf 2761 Metern über dem Meeresspiegel. „Winkel der Toten“ heißt es übersetzt. Und dem Namen hat Ayacucho leider während der Zeiten des Sendero Luminoso alle Ehre gemacht.

Eine Woche Urlaub, eine Woche Ruhe bloß raus aus Lima! Ich komme in einem kleinen Hostal bei einer holländischen Familie unter wo ich mich direkt wohl fühle (außer dem nächtlichen Hundegebell).

Ich habe in dieser Woche mal wieder viel über das Land gelernt in dem ich zur Zeit lebe und vor allem seine faszinierende Schönheit gesehen und gespürt. Diskussionen beim Besuch im „Museo de la Memoria“ (Erinnerungsmuseum über die Zeit des „Sendero Luminoso“), mit dem Künstler für Retablos Edwin Pizarro und Gespräche mit den Einheimischen und Ausländern haben mir mal wieder gezeigt wie Zwiegespalten Lima und der Rest seines Landes immer noch ist. Aber es bleibt eine immer wiederkehrende Faszination für die Anden und seine Menschen.

Besuch im Museum de la Memoria
Die Organisation ANFASEP, die das Museum gegründet hat, setzt sich für die Aufklärung und strafrechtliche Verfolgung der Menschenrechtsverletzungen zur Zeit des Sendero ein. Ich weiß nicht genau warum, aber ich wollte auf jeden Fall in dieses Museum, und bin fast so entsetzt wie nach dem Besuch in einem KZ.

Bürgerkrieg: Nachbar gegen Nachbar, Abgemetzel, Folter, Demütigungen, Vergewaltigungen, Verstümmelungen, Menschen werden in einem Ofen verbrannt und „entsorgt“ und in all dem Elend Frauen die sich auf die Suche nach ihren Männern und Kindern machen und 1983 bereits ANFASEP gründen. Die Gründerin wurde nichts desto trotz auch gleich unter der Regierung Fujimoris als Terroristin abgestempelt. Ich bin entsetzt und ich kann mir das Grauen in dieser so magischen und faszinierenden Landschaft nicht vorstellen.

Sendero Luminoso – Kurzer Rückblick
Anführer der Bewegung war Abimael Guzmán, Philosophieprofessor der in den 60-er Jahren China zu Zeiten der Kulturrevolution bereist hat. Zu dieser Zeit war Ayacucho eine der ärmsten Provinzen Perus. Die schlechte ökonomische Situation und geringen Entwicklungsmöglichkeiten der verarmten Bevölkerung des Hochlandes wurden von der Regierung in Lima nie erst genommen. Mit indigenem Aussehen fand man trotz eines Hochschulabschlusses oft keinen Arbeitsplatz. Diese Vernachlässigung der Region bereitete dem Sendero einen fruchtbaren Bodens. Das politische Ziel des Sendero war jedoch nicht die Verbesserung der sozialen Lage der Bauern, sondern der völlige Umsturz der bestehen Gesellschaftsordnung durch einen Volkskrieg.

Für die Andenbewohner war die Zeit des Senderos ein Leben in der Zwickmühle. Wer nicht mit den Sendero-Leute zusammenarbeitete wurde als Gegnern entführt, gefoltert und umgebracht. Wer jedoch umgekehrt nicht bedingungslos mit dem Militär zusammenarbeiten wollte musste in gleicher Weise mit Entführung, Folter und Mord durch das Militär rechnen. Auf beiden Seiten fanden Massenmorde an ganzen Dörfern statt immer noch werden Massengräber aufgedeckt. Alle Familien in dieser Region haben Opfer zu beklagen. Die Gewalt in den Gebieten führte zu einer Massenflucht nach Lima.

Der Sendero Luminoso existierte von 1980- 2000. Wobei nach 1992 mit der Festnahme von Abimael Guzmán die Gewalt stark zurück ging. Die Gesamtzahl dieses Bürgerkrieges schätzt die Wahrheitskommission in ihrem Abschlussbericht von 2003 auf ca. 70.000 Menschen. Es sind Ausgleichzahlungen für die Familien vorgesehen aber der Prozess geht nur langsam und schleppend voran. Alan Garcia heutiger Präsident war zur Hochzeit des Senderos ebenfalls Präsident. Ein Interesse an der vollständigen Aufklärung ist also nicht in allen Fällen sehr hoch.

Edwin Pizarro, Künstler von Retablos
Nach dem Besuch im Museo de la Memoria stehe ich in der Mittagssonne vor der Künstlerwerkstatt von Edwin Pizarro. Ein Peruaner, mit außergewöhnlich aufgeweckten Augen, öffnet mir die Tür und ich stehe in seiner Werkstatt mit lauter kleinen, bunt bemalten und filigranen Figuren. Die Figuren werden aus einer Teigmasse unter anderem aus Chuño (gefriergetrocknete Kartoffeln) hergestellt. Edwin Pizarro erzählt mit seinen Retablos Geschichten aus seinem Land und Ayacucho. Ursprünglich waren diese als Krippendarstellungen gedacht, heute erzählen diese aber auch andere Geschichten. Hier eine Darstellung von einer Totenfeier.


Ein Retabla erzählt auch die Geschichte der Region vor, während und nach der Sendero Luminoso Zeit. Nach meinem Besuch bei ANFASEP bin ich ganz begeistert wie sich diese Organisation einsetzt für eine Aufklärung der Geschichte aber Edwin hält nicht viel davon und so hat seine Familie auch nicht den eigenen Fall des verschwundenen Bruders gemeldet um Ausgleichszahlungen zu bekommen. "Was sollen wir mit dem Geld? Wir erwarten nichts davon, wir möchten dass es der Region besser geht". Und er hat eine lange Liste was in Ayacucho und Peru nicht funktioniert wie zum Beispiel das korrupte Bildungssystem.

Trotzdem möchte Edwin und seine Familie nicht aus Ayacucho weg auch wenn er bereits mit seinen Retablos in Belgien und Frankreich war. Und wenn er von den Bräuchen und Gewohnheiten in Ayacucho und seinem Engagement in einer Volkstanzgruppe erzählt spüre ich eine starke Verbundheit mit den Riten der Menschen und der Natur in Ayacucho.

Beide Besuche haben mich stark bewegt insbesondere die Offenheit der Menschen die soviel über sich und ihre Geschichte erzählen.

Und heute?
Auch heute noch ist Ayacucho eines der ärmsten Regionen Perus und schon wieder fühlen sich die Menschen hier nicht gewertschätzt und vor allem vergessen. wider bereitet sich ein Nährboden für rechte Gruppen. Als hätte man aus der Geschichte nichts gelernt. Ca. 100 km von Ayacucho entfernt fängt die Selva an mit seinem Coca-Anbaugebiet, ebenfalls eine Krisenregion.

Aber auch heute werden wieder Terroristen in Peru verfolgt. Diesmal sind es nicht die Senderos, diesmal werden Menschen als Terroristen abgestempelt, in Wahrheit sind es Umweltaktivisten, und Menschenrechtler, eben alle die sich für Rechte einsetzen für die der Staat keine Zeit hat, weil sie das Wirtschaftswachstum behindern. Auch das ist eine alte Geschichte die sich hier wiederholt und die sich auch im 21. Jh in vielen anderen Ländern der Welt zuträgt. Menschen mit anderen Meinungen werden kriminalsiert und mundtot gemacht. Es bleibt also wie so oft ein Wehrmutstropfen übrig in dieser schönen Landschaft. Ich wünsche mir für die Menschen, dass der Staat sie ernst nimmt damit sich die Geschichte nicht wiederholt.

Buchtipp: Die blaue Stunde (La hora azul), Alonso Cueto
Adrián Ormache, Rechtsanwalt, lebt in der Hauptstadt Lima. Er gehört zur Oberschicht Limas. Nach dem Tod seines Vaters, der zur Zeiten des Sendero Luminos im Ayacucho als Militär stationiert war, entlüftet Adrián dessen Geheimnis. Das Buch bietet einen guten Einblick in die Gesellschaft Limas und auch einen Einstieg in das was der Sendero Luminoso in den Regionen wie Ayacucho angerichtet hat. Ich habe es auf spanisch besonders genossen, weil es im limenischen Sprachumgang geschrieben ist.

Ayacucho II: Ex-Präsident Fujimori: Für die Limeños schwarz für die Landbevölkerung weiß

Alberto Fujimori war von 1990 bis 2000 Präsident Perus. Dieser wurde wegen Korruption und Verstoßes gegen die Menschenrechte durch den Kongress seines Amtes enthoben und floh nach Japan zu seinen eigentlichen Wurzeln zurück. Seinen Rücktritt erklärte er per Fax aus Japan.

Obwohl Fujimori gerade in Lima vor Gericht steht wird er auf dem Lande - so auch in Ayacucho - immer noch geschätzt und geliebt. Fujimori hat während seiner Amtszeit 1992 Abimael Guzmán, den Anführer des Sendero Luminoso, festgenommen und damit den wichtigsten Schritt zur Zerschlagung des Sendero beigetragen. Aber vor allem hat er die Menschen im Hochland als erster Präsident gewertschätzt. Es war das erste Mail das sich die Menschen in dieser Region nicht vergessen fühlten. Er hat in den Dörfern Strassen gebaut, ein Gesundheitssystem eingeführt, öffentliche Telefone zur Kommunikation eingerichtet, Schulen gebaut und war vor allem war er persönlich oft vor Ort und hat den Menschen das Gefühl gegeben sie ernst zu nehmen.

Hier in dieser Region lässt kaum jemand etwas auf Fujimori kommen. Und wenn man nach seinem Geld Hinterziehungen fragt habe ich gehört: „No sé si era el dinero del pueblo o solo el dinero del narcotrafico“ („Ich weiß nicht ob es das Geld des Volkes oder nur das des Drogenhandels war“). Für mich gibt es da keinen Unterschied, aber hier schaut man da schon gerne einmal drüber weg. Und auch die Menschenrechtsverletzungen und Scheindemokratie von Fujimori werden in dieser Region komplett ausgeblendet, die "gefühlte Wertschätzung" durch Fujimori zählt mehr.

Auch das Fujimori aus Japan zurück gekehrt um sich wieder zur Wahl zu stellen wird im positiv ausgelegt. Da er trotz des Risikos im Gefängnis zu landen zurückgekehrt ist wird im echter Patriotismus zu seinem Land nachgesagt. Für mich das das ehrlich gesagt Größenwahnsinn, Machtgehabe und irgendwie auch schlichtweg Dummheit.

Für die Limeños, die den Prozess in Lima mit großem Interesse verfolgen ist Fujimori ein Betrüger und Diktator; sein Bild ist schwarz. Für die Landbevölkerung ist er weiß, der Gute. Auch das spiegelt den großen Unterschied zwischen Lima und dem Rest des Landes wieder. Die Wahrnehmungen sind komplett unterschiedlich und es findet leider kaum Austausch zwischen den Anhängern und den Gegner Fujimoris statt, so dass es nur weiss oder schwarz in diesem Bild gibt.

Donnerstag, 17. Juli 2008

Ayacucho III: Zelten auf 4.000 meter

Und zum Abschluss meines einwöchigen Urlaubes gab es dann noch zwei Tage zelten. Oberhalb von Quinua, in der Nähe von Ayacucho, werden wir vom Busfahrer mit Zelt und allem drum und dran auf 4.000 m Höhe ausgesetzt um eine bisschen zu wandern und eine Nacht in der Kälte zu verbingen. Die 5.000 m schaffen wir dann auch nur anzuschauen anstatt sie noch zu erklimmen.

Ein See mit leckeren truchas (Lachs)


Erstmal wird frischer Fisch gefangen der dann 3 Stunden später gegrillt in meinem Magen verschwindet.


Und ich habe vergessen das Zelt zu fotografieren, aber bei der Sonne glaubt man auch gar nicht das es dort nachts ganz schön kalt wird.

Weite Landschaft und blauer Himmel
tun sooooo gut!

Dienstag, 15. Juli 2008

"You are in Peru, baby"

Im Straßenverkehr gilt das Recht des Stärkeren, welches sich leider nicht nur im Straßenverkehr, sondern - wie ich oft finde - auch in der Gesellschaft wieder findet. Heute hatte ich dazu eine nette Begebenheit.

Ich laufe durch den Olivar, dem grünen Olivenhain mitten in Miraflores nach Hause und will eine kleine Strasse überqueren. Im Feierabendverkehr ist auch diese Strasse viel befahren. Ich gucke bevor ich die Strasse überqueren möchte und sehe ein Auto auf mich zu kommen. Nichts desto trotz setze ich einen Fuß auf die Straße, denn sein Recht als Fußgänger über die Strasse, mit oder ohne Zebrastreifen zu gehen, muss man sich schon nehmen, geschenkt wird es einem nicht. Ich sehe schon das es nicht gut für mich aussieht, grummele dann dem Autofahrer, der dicht an mir vorbei fährt in sein offenes Fenster "Idiot" zu, worauf ich als Antwort bekomme: "You are in Peru, baby". Ich bin etwas verdutzt übe die Antwort und muss dann doch schallend lachen. Er hat natürlich Recht. Wie konnte ich das schon wieder vergessen. Nichts desto trotz versuche ich es bei der nächsten Überquerung wieder. Und so gewinnt wohl mal der eine und mal der andere aber ich werde es mir merken: You are in Peru, baby!

Sonntag, 29. Juni 2008

Sonntagsausflug in die Lomas

Heute hatte ich das Glück mit Freunden in die Lomas, einer grünen Oase 40 km von Lima entfernt, zu fahren. Insgesamt sind wir eine lustig bunt-gemischte, hauptsächlich peruanische Truppe von 20 Leuten, die sich zwischen 8.00 (ursprünglicher Abfahrtstermin) und 10.00 Uhr bei Henry treffen. Und ich habe das große Vergnügen im gelben Volkswagen-Käfer mit zu fahren. Also auf zu den Lomas!

Die Loma-Vegetationen entstehen durch den dichten Nebel (garúa), der in dieser Jahreszeit über den Küstenregion liegt. Die warme vom Pazifik kommenden Passatwinde werden vor der Küste durch den kalten Humboldtstrom abgekühlt. Die hohe Luftfeuchtigkeit sammelt sich und die Feuchtigkeit reicht aus um im Winter, auf den sonst kargen Hügeln um Lima, eine reichhaltige Vegetation auszubilden. Während der Sommermonate tritt hier dagegen eine extrem Trockenheit auf.

Die Lomas von Pachacamac sind durch einen grünen Pflanzenteppich und um diese Jahreszeit insbesondere durch die blühenden Amancae Pflanzen (Hymenocallis amancaes) gekennzeichnet. Der Ausflug erinnert mich ein bisschen an unsere mehr oder weniger jährliche Exkursion in die Eifel zu den Narzissenwiesen .


Früher gab es hier noch verschiedene Baumarten. Heute sind nur noch wenige Mito-Bäume, ein Verwandter der Papaya, zu sehen.

Bis in die 70-er Jahre lebten hier noch Hirsche und Hasen, kaum vorstellbar bei dieser Krautschicht. Leider sind durch die starke Bejagung, Überweidung und Schädigung der Vegetation durch Abholzung sind die Lomas weitgehend von ihrem Ursprungstyp zerstört.

Aber man kann sich zu dieser Jahreszeit an dem satten grün und dem gelben Amancae-Pflanzen erfreuen. Ein Genuss für das vom grau geplagt Auge aus Lima und eine schöne Abwechslung.

Dienstag, 3. Juni 2008

Ziviler Widerstand

Das Meer ist mit braunem Schaum überzogen. Das Wetter ist ein bisschen trüb so dass es wenigstens nicht stinkt, denn vor Limas Küste werden die Abwässer einer 10 Millionen Stadt an verschiedenen Stellen ungefiltert und unbehandelt eingeleitet. Die brauen Flecken, so sagt man, kann man sogar auf den Bilder von google to earth zu sehen.

Das Ökosystem der Küste Limas, so war es bereits im letzten Sommer 2006 in der Zeitung zu lesen, steht quasi vor dem Kollaps. Pro Sekunde (!!!) werden 5.000 Liter - meist ungeklärte - Abwässer in die Meeresbucht vor Lima eingeleitet. Lima besitzt insgesamt 11 so genannte Kollektoren durch welche die Abwässer ins Meer eingeleitet werden. Nur 15-25% (die Zahlen schwanken je nach Quelle) aller Abwässer werden zuvor behandelt, der Rest geht auf dem direkten Weg ins Meer.

La Perla
Der Kollektor mit dem wunderschönen Namen La Perla (die Perle) vor der Küste Limas wurde bereits vor 16 Jahren errichtet, weil man schon wusste das der Colector in der Nachbarschaft in San Miguel eines Tages nicht mehr ausreichen wird. La Perla wurde aber nie in Betrieb genommen. Jetzt hat SEDAPAL, der peruanische Wasserkonzern, „überraschenderweise“ die Notsituation festgestellt. Es wurde ein exponentieller Anstieg von Coli-Bakterien im Umkreis von 2,8 km der Küstenlinien festgestellt und der Kollektor in San Miguel wurde auch auf Grund baulicher Schäden geschlossen. Glücklicherweise fehlt noch die Genehmigung des Ministeriums für Gesundheit um den Kollektor in Betrieb zu nehmen. Diese Bemängeln, unter anderem, das Fehlen einer Umweltverträglichkeitsprüfung.

Ich bin am Wochenende mit der Künstler und Umweltgruppe "Deberes Humanos" aus Peruaner, Franzosen und Deutschen die Anwohner besuchen gefahren. Es wurde eine kleine Versammlung abgehalten in der es darum ging den Menschen Mut zu machen und Möglichkeiten zu finden ihr Anliegen zu unterstützen.

Die Anwohner
Die Anwohner, hauptsächlich Rentner und Frauen, sind in den Alarmzustand versetzt und wehren sich vehement gegen die in Betriebnahme des Kollektors. Seit März übernachten diese in einem Zelt (siehe Foto) damit SEDAPAL die limenische Abwässer hier nicht direkt ungefiltert, ungeklärt und quasi direkt vor ihrem Strand einleitet. Die Menschen haben Angst vor den ökologischen und gesundheitlichen Folgen wenn das Abwasser direkt vor ihrer Haustür eingeleitet wird. Die ersten Häuser an der Strasse sind nur durch den Abhang von dem Einleitungsrohr getrennt. Eine frische Brise weht hier, auch mit allem was aus dem Meer kommt. Die Anwohner haben bereits einen Marathon von Behördenbesuchen hinter sich, auch die Presse war im März permanent vor Ort.

Das Fazit der Menschen ist traurig: Die Behörden haben kein Interesse, die Presse schreibt nicht das was sie sagen und SEDAPAL hat versucht sie zu kaufen mit Versprechung wie die Sicherheit in diesem Distrikt zu verbessern, öffentliche Plätze zu errichten etc. Ihre Antwort darauf: „La salud no tiene precio“ (Gesundheit hat keinen Preis). Und dann wurde ihnen vom Konzernchef vorgeschlagen sie könnten ja auch einen technischen Vorschlag unterbreiten.


Die Menschen fühlen sich nicht ernst genommen. Wird hier jetzt die Verantwortung auf die Bevölkerung abgewickelt, sie sollen die Arbeit der Wasserexperten dieses Landes machen? Menschen die sich im Leben noch nicht mir diesem Problem beschäftigt haben? Glaubt das Unternehmen wirklich sie können das oder wollen sie die Menschen hier nur ablenken und beschäftigen damit sie nicht zuviel Widerstand zeigen. Wer trägt den hier die Verantwortung?

Die Versammlung verläuft aber recht positiv es werden verschiedene Szenarien durchgespielt und Arbeitsgruppen gebildet. Es gibt nun eine technische Arbeitsgruppe, den irgendjemand muss sich mit den technischen Daten einer Kläranlage auseinandersetzten, eine Gruppe für Kommunikation, die die Pressearbeit übernehmen soll und eine Gruppe die sich mit der Gesetzeslage auseinandersetzt.

Resumen
Das Prinzip ist überall auf der Welt gleich, auch in Deutschland wurden die Flüsse solange verschmutzt bis der Druck auf den Staat so groß war das Gesetze durch den Staat geschaffen und kontrolliert wurden.

Und auch hier wiederholt sich die Geschichte. Die zivile Gesellschaft muss den Druck auf den Staat erhöhen damit dieser den Druck auf die privaten Firmen erhöht. Eine Eigenverantwortung und soziales Handeln scheint es anders nicht zu geben. Da wird lieber ausgerechnet wie viel kostet es ein paar mehr Polizisten in der Region auf zu stellen, einen Gemeindeplatz zu errichten an statt die sozialen und ökologischen Folgekosten zu Tragen. Nur wie lange dauert es bis sich auch die Regierung ihrer Verantwortung stellt. Muss es erst Tote geben durch Coli-Infektionen zum Beispiel von Ceviche. Müssen die Menschen immer erst warten bis es zur Katastrophe kommt? Ich hoffe die Initiative hat Erfolg und setzt damit auch ein Zeichen für weiter Aktionen: Veränderung ist möglich!

Samstag, 17. Mai 2008

Gipfetreffen und Klimawandel

Das 5. Gipfeltreffen Lateinamerika, Karibik und Europäische Union hat diese Woche in Lima statt gefunden. Die peruanische Flagge ist überall gehisst, auch auf jedem privaten Haus. In Lima hat Alan Garcia zwei nationale Feiertage ausgerufen, damit die Stadt nicht im Chaos versinkt. Die Limeños haben dies dankbar angenommen und sind aus Lima in die Sonne geflohen. Die Stadt ist ruhig, nur leider grau und kalt. Freitag ging der Gipfel zu Ende man hat eine 17 Seite Erklärung mit 57 Punkten erarbeitet wo es um Armut, Gesundheit, Umwelt und Bildung geht. Viel Luft und wenig Inhalt.

Frau Merkel ist auf dem Gipfel mit 33 Staatschefs aus Lateinamerika und 27 Vertretern aus EU-Staaten die prominenteste Repräsentantin aus Europa. Sie kommt mit zwei wichtigen Themen im Gepäck: Armutsbekämpfung und Klimawandel.

Sie ist Alan Garcia wohlgesonnen und so wurde bilateral vereinbart das eine Delegation aus dem Umweltministerium nach Peru reisen wird um das neue Umweltministerium, mit seinem während des Gipfels designierten Umweltministers Antonio Brack, zu unterstützen. Während Deutschland für die Einrichtung des Umweltministerums Tschernobyl 1986 brauchte, hat Peru sich für das Freihandelsabkommen der USA darauf einlassen müssen. Freiwillig scheinen weder die Europäer noch die Lateinamerikaner ein Umweltministerium einzurichten.

Klimawandel ist in Peru in aller Munde. Die Sensibilisierung der Menschen hier ist deutlich höher als für Bio-Produkte. Jeden Tag stehen Artikel zum Klimawandel in der Zeitung. Peru, so wird prognostiziert, ist eine der Regionen weltweit die am meisten vom Klimawandel betroffen sein wird, es aber in einigen Gegenden auch schon ist.

Die Entwicklungsorganisationen GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit), DED (Deutscher Entwicklungsdienst) und lokale Organisationen haben eine Fotoausstellung dazu erstellt: "El Clima cambia, mi vida también" (Das Klima ändert sich, mein Leben auch), in der einfache Menschen aus dem Volk von den Auswirkungen des bereits stattfindenden Klimawandels reden. Auch wenn nicht alle Statements einen eindeutigen Bezug zum Wandel haben, ist es eine schöne Fotoausstellung geworden, die sowohl in anderen Teilen Perus als vielleicht auch in Deutschland gezeigt werden soll.

Außerdem ist die private Universität PUCP mit einer großen Plakatserie in der Stadt präsent auf denen groß steht: Clima de Cambios ("Klima des Wandels)".


Gerne würde ich wissen ob Frau Merkel und die ganzen angereisten Parlamentarier bereits freiwillig CO2-Steuer für ihre vielen Flugreisen zahlen die dann in CO2 gewinnenden Projekten eingesetzt werden, zum Beispiel Atmosfair oder Stop-Climate-Change. Aber soviel stringentes umsetzen der eigenen Worte ist ja eher selten. Ich erinnere mich an eine Rede von Frau Künast bei einer Eröffnung der BIO FACH, die da sagt "und wenn alle Umweltorganisationen und NGO die soviel für die Umwelt tun wollen und darüber reden, öko kaufen würden, wären wir schon einen ganzen Schritt weiter" Ich finde das ist ein kluger Kommentar und mit solchen einfachen Maßnahmen die sicherlich nicht alleine den Klimawandel auf halten können aber Glaubwürdigkeit vermitteln könnten wären wir einen Schritt weiter. Und eigentlich passt das doch auch in die Politik der kleinen Schritte von Frau Merkel. Aber vielleicht irre ich mich ja auch und das Bundeskanzleramt funktioniert schon klimaneutral?

Gipfel der Völker

Neben dem offiziellen Gipfeltreffen Lateinamerika, Karibik und Europäische Union (ALC-UE) findet zeitgleich das Gipfeltreffen der Völker (Cumbre de los pueblos) statt. Da Alan Garcia, der Präsident Perus, zwei Feiertage ausgerufen hat, habe ich also frei. Mit Frau Merkel konnte ich leider keine Audienz vereinbaren, daher schaue ich mir also den Gipfel der Völker an.

Statt findet der Volksgipfel in der Universität der Ingenieure in Rimac, einem Stadtviertel wo ich sonst nie bin, ein armes, heruntergekommenes Viertel, weit ab von allem. Um den Ort des Geschehens gab es im Vorfeld eine große Diskussion. Der ursprünglich geplante Tagungsort die Universität San Marcos wurde nach Druck auf den Direktor abgesagt, der Direktor trat danach zurück. Willkommen ist der Gipfel, auf dem sich auch Eva Morales (bolivianischer Präsident) zum Fußballspielen angekündigt hat, nicht.
So wurde dieser in der Presse auch häufig als Anti-Gipfel dargestellt.

Tribunal des Volkes
Die ersten Tage findet ein Volkstribunal (Tribunal permanente de los pueblos) statt, dass ich leider selber nicht mitverfolgen kann. Hier werden Fälle von Rechtsverletzungen transnationaler Konzerne verhandelt. Angeklagt werden Minenfirmen (Monterico Metals - Majaz), Pharmakonzerne (Boehringer, Roche), Agramultis (Syngenta, Bayer) und viele mehr. Angehört werden NGO, die Bevölkerung und weitere direkte Beteiligte zu konkreten Rechtsverletzungen.

Transnationale Konzerne tragen auf der einen Seite derzeit zum Wirtschaftsaufschwung in Peru und ganz Lateinamerika bei, auf der anderen Seite werden permanent Menschenrechte verletzt und die Umwelt nachhaltig zerstört.
Leider profitiert die andine Bevölkerung nur wenig vom Reichtum der Giganten oft ist es der Kampf David gegen Goliath. Eine Kampagne von Misereor bringt es auf den Punkt "Der Reichtum geht, die Armut bleibt".

Das Tribunal hört sich zunächst die Faktenlage an, zieht sich dann zu Beratungen zurück und verkündet einen Tag später ihre Urteile. Der Agrarkonzern Camposol wurde verurteilt für seine Anti-Gewerkschafts-Praktiken und Verletzungen der Menschenrechte, Bayer für den Tod von 24 Kindern in Cusco die 1990 bei einem Schulfrühstück mit Insektenmittel verseuchtem Essen zu sich nahmen (siehe blog Hildegard" Volksgericht"), und das Minenunternehmen Río Blanco Cooper (Ex-Majaz) für die Umweltzerstörung in Piura. Die Ergebnisse und Empfehlungen dieses
Schauprozesses werden dem Vorstand der Menschenrechte der Vereinten Nationen, der Kommission der Menschenrechte der OAS und dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag übergeben.

Erklärung des Volksgipfels an den offiziellen Gipfel

Am Donnerstag überreichte eine
Delegation des Volksgipfels in einer offiziellen Zeremonie eine Erklärung an die Verantwortlichen des 5. Gipfeltreffens der ALC-UE. Außenminister José Antonio García Belaúnde und der slowenische Kanzler Dimitriji Rupel haben die Erklärung entgegen genommen. Der Volksgipfel spricht sich in dieser Erklärung gegen die Bündnisse mit der europäischen Union in der derzeit ausgestalteten Art und Weise aus, da dadurch das Ungleichgewicht zwischen arm und reich erhöht, Menschenrechte verletzt und die Umwelt zerstört wird.

Nach drei Tagen gab es eine Abschlussveranstaltung mit mehreren tausenden Menschen. Hauptfiguren der Abschlussveranstaltung waren Eva Morales und Ollanta Humala. Ollanta ist eine schillernde linke politische Figur, die 2006 mit García um die Präsidentschaft antrat. Hugo Chavez hatte seine Teilnahme noch kurzfristig wegen Verpflichtungen auf dem Haupt-Gipfeltreffen abgesagt.

Bildeindrücke die die Stimmung wieder geben.

Hier wird ein recht aufwieglerischer Diskurs gehalten über die Ausbeutung der Menschenrechte durch Minenkonzerne und die Zerstörung der Umwelt, insbesondere durch Wasserverschmutzung. Zwischen dem Diskurs werden immer wieder im Chor verschiedene Schlachtrufe angeheizt zum Beispiel: "La selva no se vende, la selva se defiende" (Der Urwald wird nicht verkauft, der Urwald wird verteidigt).


Ein kleine Demonstration auf dem Uni-Gelände für gerechte Arbeitsbedingungen


Auch verschiedene Kulturen und Völker kommen zu Wort

Die radikalen linksreligiösen-Fanatiker fehlen leider nicht. Hier wird es mir dann echt zuviel. Das Plakat stellt Christus als ersten Revolutionär vor und der Slogan sagt: "Da wo Ungerechtigkeit herrscht, gibt es Revolution".

Schlimmer wird es dann noch mit der Ungerechtigkeitspyramide des Kapitalismus. Ganz oben an der Spitze die europäischen Präsidenten, danach kommt schon gleich der Papst (der Antichrist) und die Bestie (George Bush). Damit diskreditiert sich diese Veranstaltung leider unnötig. Solche platten, undifferenzierten frasendrescher sollten von den Organisatoren lieber nicht zugelassen werden.

Kunst und Kultur fehlt auch nicht, eine kleine Ausstellung


Der Text sagt: Nach dem Essen von Gentechnik-Produkten. Wenn die Auswirkungen so eindeutig wären, wäre die Diskussion auch leichter ;-).


Ein sehr schönes Buch verbirgt sich hier hinter.
Die Geschichte eines Andendorfes zur Zeit des Sendero Luminoso:

Klappt man das Hemd auf entfaltet sich die
reich bebildert Geschichte .
Das Ende der Geschichte sagt: NUNCA MAS! - Nie wieder!


Mein persönlicher Eindruck
Als ich in das Uni-Gelände eintrete habe ich das Gefühl: E-N-D-L-I-C-H mal eine Gegenströmung zu den konformistischen Limeños. Ich sehe und höre sowohl
konstruktiven Diskurs als auch Aufwiegelei. Ich schwenke schnell zwischen "ist mir alles zu links, zu platt gegen den bösen Neoliberalismus" und einer Faszination von Menschen die hier zu Wort kommen und ihre Rechte verteidigen, hin und her.

Am eindringlichsten finde ich ein Statement einer andinen, einfachen Bauersfrau die die Umweltauswirkungen einer Mine in ihrem Dorf beschreibt, die voller Verzweiflung sagt: "Wir sind auf unser Glück angewiesen das uns jemand hilft "und dann aber mit Stolz hinzufügt: Unsere Armut wird ausgenutzt. Wir sind nicht arm, wir arbeiten rund um die Uhr, wir arbeiten hart, wir ernähren uns von dem was wir anbauen, wir sind keine Bettler, wir haben unsere eigene Ideologie und Wertschätzungen. Und mir fällt ein Satz ein den ich einmal in einem Fotoband über das Leben in den Anden gefunden habe: "Este forma de vida no nos pertence, pero no podemos dejar de valorarla"- Diese Art zu Leben ist nicht unsere, aber wir dürfen nicht aufhören diese zu wert schätzen. Und ich denke da ist viel Wahrheit dran: Welches Recht haben wir das andine Leben zu entwerten, nur weil es nicht unserem Lebensstil entsprich?

Mir ist mal wieder bewusst geworden, dass es in einer Gesellschaft wie Peru / Lateinamerika viel schwieriger ist mit einer Stimme zu sprechen als in Europa. Die Kluft zwischen der andinen Bevölkerung, den Stämmen der Selva und den Limeños ist riesig. So wie ich oft auf interkulturelle Barrieren stoße, treffen hier die Menschen innerhalb eines Landes auf interkulturelle Konflikte. Das macht es nicht leicht mit einer Stimme zu sprechen.

Ich halte diese Veranstaltung für wichtig als Gegenpool zu dem ganzen Mainstream. Zu wünschen wäre der Veranstaltung mehr Beteiligung, mehr Unterstützung und Wertschätzung durch den Staat, eine gezieltere Auswahl der Organisationen ohne fanatische linke und mehr Aufbruchstimmung statt blinder Wut. Solch eine Veranstaltung sollte durch eine starken kreative und konstruktive Aufbruchstimmung und dem Gefühl alle ziehen an einem Strang geprägt sein und nicht durch Klientelismus und generellen platten Anfeindungen an den Neoliberalismus.